Fortgeschrittener Darmkrebs
Besonders belastend ist es für Patienten, wenn sie erfahren, dass der Tumor bereits gestreut hat und Metastasen in anderen Organen vorhanden sind. Metastasen be- deuten ein fortgeschrittenes Stadium der Erkrankung und damit auch eine geringere Chance auf eine Heilung. Fragen nach der eigenen Zukunft rücken in den Mittelpunkt der Gedanken.
Die Diagnose fortgeschrittener Darm- krebs setzen viele in direkten Zusam- menhang mit Sterben und Tod. Aber gerade bei Darmkrebs sind die Grenzen zwischen „heilbar“ und „nicht mehr heilbar“ nicht so scharf zu ziehen. Moderne Therapieverfahren haben für Darmkrebspatienten trotz fortge- schrittener Erkrankung neue Möglichkeiten geschaffen. Dennoch tauchen in so einer Situation meist große Befürchtungen auf, ein Gefühlsgemisch aus Angst und Trauer.
Wie geht es jetzt weiter?
Viele Patienten kommen mit dieser schwierigen Gefühlslage besser zurecht, wenn sie es schaffen, sich der medizinischen Situation bewusst zu stellen. Dazu gehört auch, sich möglichst genau über das Stadium der Erkrankung zu informieren und bei den Ärzten, wenn nötig auch mehrmals nachzufragen:
- Wie weit hat sich der Krebs ausgebreitet?
- Wo befinden sich die Metastasen?
- Welche verschiedenen Möglichkeiten der Therapie gibt es?
- Kann man verhindern, dass der Tumor weiter wächst?
Vermehrtes Wissen über die eigene Erkrankung ermöglicht es dem Patienten, sich besser auf die neue Situation einzustellen und auch mit zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Vielen Betroffenen gibt dieses Wissen das Gefühl der Kontrolle über ihre Lebenssituation zurück.
Wie lange werde ich noch leben?
Häufig befassen sich Betroffene in dieser Phase intensiv mit der Frage nach der eigenen Endlichkeit. Allerdings ist dieses Thema noch fast so etwas wie ein Tabu. Krebspatienten berichten, dass es ihnen kaum erlaubt war, solche Gedanken zu äußern. Sie werden immer wieder aufgefordert "positiv zu denken". Heute weiß man aber, dass auch ein Gespräch über die Angst vorm Sterben, über die Möglichkeit des Abschiednehmens sehr hilfreich sein kann. Auch beeinflussen solche Gedanken keineswegs das Tumorwachstum negativ. Schließlich birgt die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit auch die Chance, sich zu fragen: "Was ist mir wichtig? Wie würde ich mein Leben gestalten, wenn es zeitlich begrenzt wäre?"
Hilfreich kann in dieser Zeit der Kontakt zu anderen Patienten sein. Sie wissen am besten, wie einem zumute ist und können die eigenen Strategien im Umgang mit der Erkrankung weitergeben. Aber nicht jeder möchte über seine Ängste und Gefühle sprechen – dies ist abhängig vom Charakter und der Persönlichkeit. Es gibt auch Patienten, die die Krankheit nicht so nah an sich heranlassen und sich den Tatsachen nicht sofort stellen möchten.
Welchen Weg man wählt, muss jeder für sich entscheiden – das Wichtigste ist, dass man Möglichkeiten findet, mit dieser Situation so gut wie möglich umzugehen. Was für viele Patienten zunächst undenkbar erscheint: Es gelingt tatsächlich, sich auch mit fortgeschrittenem Darmkrebs zu recht zu finden und wieder Lebensfreude zu entwickeln und zu erhalten. Das benötigt Zeit, Unterstützung und ein wenig Geduld.