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Norbert B. Welche Therapie

Heute lese ich davon, dass vor dem eigentlichen Therapiebeginn ein sogenanntes Staging des Tumors und umfangreiche Aufklärungsgespräche stattfinden.


In meiner Erinnerung hat sich die erste Zeit nach der Diagnose jedoch etwas anders abgespielt. Ich stellte mich mit meinen CT-Bildern vom Oberbauch und dem Koloskopiebefund in der Poliklinik der Kölner Uniklinik vor, um dort zu erfahren, ob die Lebermetastasen operierbar sind. Die Bilder wurden zur Begutachtung zu einem Chirurgen gebracht und kurze Zeit später kam die positive Mitteilung, er würde sie operieren. Das alles ging relativ undramatisch vonstatten. Die Ärzte informierten mich noch darüber, dass meine Leber mithilfe eines besonderen Bildverfahrens aus Bremen dreidimensional dargestellt werden könnte, was für die Operationsvorbereitung eine große Unterstützung bedeute. Man wisse lediglich noch nicht, ob eine einzeitige oder eine zweizeitige Operation die bessere Vorgehensweise sei, das heißt, ob Darm und Leber während eines einzigen Eingriffs angegangen würden oder ob es zu zwei verschiedenen Eingriffen innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes kommen würde. Falls ich dem Ganzen zustimmen sollte, könne ich mich in circa zwei Wochen aufnehmen lassen. Da der Tumor im Darm aufgrund seiner Größe bereits meinen normalen Stuhlgang zu beeinträchtigen drohte, gab man mir noch ein Mittel mit, das den Stuhl weicher machen sollte.

Die Einschätzung eines zweiten Fachmanns

Um nicht alles einfach so über mich ergehen zu lassen und das Heft nicht völlig aus der Hand zu geben, sondern mir zumindest ein bisschen das Gefühl einer eigenen Steuerung zu bewahren, beschloss ich, noch die Einschätzung eines weiteren Fachmannes einzuholen. Mein neuer Hausarzt vermittelte mir hierfür den Kontakt zu einem von ihm hoch geschätzten Chirurgen und außerdem auch zu einem ihm persönlich bekannten niedergelassenen Onkologen. Der Chirurg schaute sich die bisherigen Befunde an, sagte, er würde zunächst meinen Darmtumor entfernen, im selben Eingriff aber noch einen Blick auf die Leber werfen. Falls sich bei offenem Bauch die Operierbarkeit der Metastasen prinzipiell bestätigte, würde er mich anschließend an die Kölner Uniklinik überweisen, weil dort die besseren Fachleute für eine derartige Operation seien. Da sich ein Radiologe aus meinem persönlichen Umfeld ähnlich über die Fähigkeiten der Uniklinik äußerte, hieß das letztlich für mich, dort auch tatsächlich alle anstehenden Eingriffe vornehmen zu lassen. Mit dem Onkologen, der mir eine Operation als beste Therapiewahl noch einmal bestätigte, der gleichzeitig aber auch sehr offen die mit der Erkrankung einhergehende, nun eingeschränkte Lebenserwartung ansprach, verabredete ich, nach meinem Krankenhausaufenthalt das weitere Vorgehen zu besprechen. Im Prinzip wurden also gar keine anderen Therapieformen ins Spiel gebracht, nachdem einmal die Möglichkeiten zur Operation gegeben waren.

Operieren hieß für mich „Wegschneiden“

Ob hinterher noch weitere Maßnahmen, wie zum Beispiel eine Chemotherapie, angezeigt wären, blieb ebenfalls zunächst offen. Ich war, entsprechend den Umständen, froh über den Stand der Dinge. Operieren hieß für mich Wegschneiden: Wenn alles gut gelingt, ist das befallene Gewebe anschließend nicht mehr da, um sich noch weiter auszubreiten können. Über unterschiedliche Stagings und Gradings von Tumoren wusste ich nichts. Vielleicht hätte ein größeres medizinisches Wissen mir zu diesem Zeitpunkt sogar mehr Angst gemacht, denke ich heute. So konnte ich mich mit relativ „einfachen“ Vorstellungen dem weiteren Prozedere überlassen. Mittlerweile weiß ich, dass die verschiedenen Untersuchungen, die nach meiner Krankenhausaufnahme vor der Operation noch gemacht wurden, auch einem gewissen weiteren Staging des Tumors dienten. Für mich waren es damals jedoch in erster Linie notwendige Vorbereitungsmaßnahmen für den Eingriff. Es wurden zusätzliche CT gemacht, Röntgenaufnahmen der Lunge sowie Lungenfunktionstests, und auch eine zweite Koloskopie wurde versucht, da der Darm bisher lediglich bis zum Tumor im Bereich des Sigma angeschaut werden konnte, was einer Untersuchungslänge von nur knapp 30 cm entsprach. Auch dieses Mal war eine Passage mit dem Koloskop durch die Verengung jedoch nicht möglich, weshalb einen Tag später schließlich ein Kolonkontrasteinlauf durchgeführt wurde, um einmal den gesamten Darm darstellen zu können.

Routineartige Aufklärungsgespräche

Intensive Gespräche über all diese Maßnahmen fanden zu dieser Zeit leider nicht statt. Mir wurde lediglich der inzwischen gefasste Entschluss zu einem zweizeitigen Operationsvorgehen mitgeteilt, wobei während der ersten OP am Darm allerdings bereits die später geplante Leber-OP durch einen kleinen Eingriff mit vorbereitet werden sollte, genauer gesagt durch eine Ligatur des rechten Pfortaderastes. Ansonsten ging es bei den sogenannten Aufklärungsgesprächen an sich hauptsächlich darum, die für die medizinischen Maßnahmen vorgeschriebenen jeweiligen Aufklärungsbögen durchzugehen und zu unterschreiben. Mit meiner Unterschrift gab ich dann stets meine Einwilligung zu dem anstehenden Schritt. Auch wenn die letzte Entscheidung somit immer bei mir lag, fühlte ich nicht wirklich eine Entscheidungsfreiheit. Hatte ich denn realistisch betrachtet überhaupt eine Wahl? Ich überließ mich vielmehr den Notwendigkeiten, stellte zur eigenen Gesichtswahrung vielleicht noch ein paarkluge Fragen und entließ die Ärzte dann aber wieder ziemlich schnell, die zufrieden mit meiner Unterschrift auch gern von dannen zogen.

Psychoonkologische Unterstützung fehlte

Es ist eigentlich schade, dass ich zu den Chirurgen von damals ein eher ambivalentes Verhältnis habe. Einerseits haben sie hervorragende Arbeit geleistet, ohne die ich heute mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr leben würde. Ihnen gebührt deshalb mein großer Dank. Andererseits wirkten sie nur wenig offen für die psychische Situation, in der ein Patient in dieser schwierigen Phase steckt. Es machte den Eindruck, als ob das alles für sie nur technische Vorgänge seien. Fragen und Sorgen, die über das Technische hinausgingen, waren ihnen daher eher unbequem. Das beeinträchtigt meine Haltung zu ihnen und lässt ihre große Leistung leider etwas in den Hintergrund geraten, auch wenn ich diese Konzentrierung auf ihr ohne Zweifel großes „handwerkliches“ Geschick respektiere. Ich denke, es wäre damals besser gewesen, neben der Chirurgie zusätzlich noch von der onkologischen Abteilung mit betreut zu werden oder auch psychoonkologische Angebote zu erhalten. Man fühlt sich in dieser Zeit so ausgeliefert und dieses Empfinden wurde von ärztlicher Seite nur wenig aufgefangen.

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