Roche

Norbert B. Rehablitation

Das Therapieende zog sich bei mir lange Zeit hin, da meine Blutwerte mir immer wieder einen Strich durch die Rechnung machten. Als es dann endlich soweit war, fühlte ich mich sehr erleichtert.


Ich war nun seit etwa einem halben Jahr aus dem Krankenhaus entlassen. Was bis dahin an Maßnahmen vorgenommen worden war, diente der Heilung, war aber gleichsam mit großen Belastungen für meinen Körper verbunden. OPs und Chemo stellten gewissermaßen die bitteren Notwendigkeiten dar, durch die ich gehen musste. Dieses dunkle Tal war jetzt endlich durchschritten, von nun an sollte es nur noch um den Wiederaufbau gehen. Dazu gehörte auch der Wunsch nach einer Reha, von der ich mir insbesondere Unterstützung bei der Wiedererlangung einer körperlichen Fitness erhoffte. Ich wollte es mir gut gehen lassen, in angenehmer Umgebung frei von den hiesigen Alltäglichkeiten sein und dazu die dortigen mir sinnvoll erscheinenden Angebotenutzen.

Ein Anfang mit Hindernissen

Es war jedoch nicht einfach, dieses Ziel zu erreichen. Als völliger Reha-Laie wandte ich mich zunächst an meine Krankenkasse, um mich über die vorzunehmenden Schritte zu informieren. Später stellte sich heraus, dass praktisch alles, was mir dort mitgeteilt wurde, falsch war. So war die Krankenkasse gar nicht als Kostenträger zuständig, sondern die Rentenversicherung. Alle Kostenträgerwerden in Nordrhein-Westfalen wiederum gemeinsam von der „Arbeitsgemeinschaft für Krebsbekämpfung“ (ArGe Krebs NW) vertreten, über die letztlich auch der gesamte Schriftverkehr läuft. Außerdem hatte ich direkt nach der Chemo sogar Anspruch auf eine Anschlussheilbehandlung (AHB) und nicht nur auf eine Reha. Inhaltlich unterscheiden sich diese beiden Maßnahmen zwar nicht, der Vorteileiner AHB besteht jedoch darin, dass die Wartezeiten wesentlich geringer sind. All diese wichtigen Informationen eröffneten sich mir erst nach und nach. Im Krankenhaus gibt es hierfür den sozialen Dienst, der einem beim Reha-Antragbehilflich ist. Deshalb ist es wahrscheinlich ratsam, sich bereits dort frühzeitig zu erkundigen, selbst wenn, wie bei mir, zunächst noch weitere ambulante Therapien folgen und die Reha noch nicht unmittelbar ansteht.
Als nächstes folgte eine ungemütliche Auseinandersetzung mit der ArGe Krebs NW. Diese hat bestimmte Kliniken unter Vertrag, an welche die Antragstellervermittelt werden. Meine von mir auserwählte Wunschklinik in Freiburg fiel leider nicht darunter. Neben der in Ansätzen ganzheitlichen Ausrichtung und der fachlichen Qualität erhoffte ich mir dort zusätzliche wohltuende Anregungen durch das lebendige Stadtangebot. Anstatt dessen wollte die ArGe mich in den „verschlafenen“ Harz schicken. Das Unternehmen Reha war mir aber zu wichtig, als dass ich mich in eine Klinik begab, die vom medizinischen Angebot vielleicht gepasst hätte, deren Umfeld aber meine Seele zu bedrücken drohte. So zumindest meine vorurteilsbehaftete Befürchtung, von der ich nicht lassen wollte. Mehrere aufwühlende Telefonate und Schriftwechsel zwischen der ArGe und mir folgten. Ich hatte den Eindruck, solange man den Vorgaben der ArGe nachkommt, ist sie freundlich und hilfsbereit, bringt man hingegen eigene Vorstellungen ins Spiel, wird aus ihr ein schwerfälliger Bürokratieapparat, dem man nur zur Last fällt. Zwischendurch hatte ich meine Zweifel, ob die ganzen von mir unternommenen Anstrengungen es überhaupt wert waren, aber am Ende zahlten sich meine Hartnäckigkeit und die Unterstützung meines Onkologen dann doch aus und ich bekam (zähneknirschend) die Zusage für die Wunschklinik. Mein damaliger Psychotherapeut meinte zudem, eine gewisse Hartnäckigkeit sei eine gute Persönlichkeitsvoraussetzung für die Bewältigung schwerer Erkrankungen.

Körperliche Fitness und Austausch mit Gleichgesinnten

Wie sich mittlerweile herausgestellt hatte, war die Erleichterung über den Therapieabschluss nur von kurzer Dauer. Inzwischen waren bei mir sowohl eine Gallengangverengung als auch eine Darmfistel festgestellt worden, beides operationsbedingt. Trotzdem wollte ich mir meine hart erkämpfte Reha davon nicht vermiesen lassen. Die wohl größte Errungenschaft, die mir der Aufenthalt in dieser Zeit bescherte, war tatsächlich ein großer Fortschritt in der körperlichen Fitness, so wie ich es mir eingangs auch erhofft hatte. Nachdem ich erst einmal gelernt hatte, wie wichtig es ist, ein gesundes Maß an Eigeninitiative zu entwickeln, welches von der Klinik sogar ausdrücklich erwünscht wurde, konnte ich von den Angeboten gut profitieren. Soweit es mir möglich war und die Betreuer ebenfalls grünes Licht gegeben hatten, ging ich auch in meiner Freizeit immer wieder an die Trainingsgeräte.
Die zweite für mich sehr wesentliche positive Erfahrung war der intensive Austausch mit den anderen Krebspatienten. Es waren zwar nur wenige vom Darmkrebs Betroffene, mit denen ich Kontakt hatte, aber das spielte keine Rolle. Nach meiner Einschätzung macht sowieso jeder seine eigene Krankheitsgeschichte durch. Und doch ist die Diagnose Krebs schicksalsverbindend sowie von einer übergeordneten Warte aus betrachtet auch wiederum vergleichbar. Wir unterhielten uns viel, unternahmen gemeinsam etwas in der Stadt oder der Umgebung und hatten insgesamt viel Spaß dabei. Man ging sehr unbefangen miteinander um, das war der große Vorteil gegenüber dem Kontakt mit anderen Personen zu Hause, die selbst nicht betroffen waren. Zumal es viele Patienten gab, die in einem ähnlichen Alter wie ich waren.
Neben diesen beiden für mich vordringlichsten Punkten hörte ich mir aber auch gerne Vorträge an, nahm verschiedene physiotherapeutische Anwendungen in Anspruch und widmete mich seit Langem einmal wieder meiner Freude am Musizieren. Wichtig beiso einer Reha ist es einerseits, sich auch selbst darum zu kümmern, welche Angebote die richtigen für einen sind, sich andererseits aber nicht zu viel vorzunehmen. Die Erholung darf auf keinen Fall zu kurz kommen.

Die Frage der „richtigen“ Ernährung

Nach meiner Krebserkrankung war ich lange Zeit unsicher, wie ich mich denn nun am besten ernähren sollte. Von fachlicher Seite gab es keine konkreten diätetischen Vorgaben, sondern lediglich die Vorschläge, selbst zu schauen, was man am besten verträgt. Allenfalls die Empfehlung, täglich in allen möglichen Farben drei Portionen Gemüse sowie zwei Portionen frisches Obst und insgesamt nicht so viel Fleisch zu essen, ließ sich als übergreifende Regel vernehmen. Viel Fleisch verzehrte ich sowieso nicht, aber die fünf täglichen Portionen mit Obst oder Gemüse bekam ich nicht hin. In der Reha konnte ich diesbezüglich auch nicht allzu viel Neues erfahren. Trotzdem kam ich nicht völlig ohne neue Erkenntnisse wieder nach Hause. Morgens hatte ich dort regelmäßig ein Frischkornmüsli gegessen und mich dabei an einen Vollwertkochkurs erinnert, an dem ich vor vielen Jahren noch zu meiner Schulzeit einmal teilgenommen hatte. Außerdem nahm ich eine Sammlung von Rezepten für eine „gesunde und stärkende Ernährung“ mit, einfach, um mir frische Anregungen zu verschaffen. Daraus entstand für mich die grobe Ausrichtung nach Vollwertkost bei meiner Ernährung. Reis und Nudeln zum Beispiel, die ich sehr häufig verwende, kommen bei mir zu Hause nur noch in Vollkornform auf den Tisch, ebenso wie viele andere Lebensmittel möglichst wenig Denaturierung erfahren haben sollten. Das Frischkornmüsli habe ich ebenfalls als Frühstück wieder eingeführt. Je nach aktuellem Geldbeutelstand und nach Angebot kaufe ich mir zudem einen Teil meiner Nahrungsmittel regelmäßig in Bioqualität. Des Weiteren hatte ich die ersten Jahre nach meiner Erkrankung völlig auf Alkohol verzichtet.

Mittlerweile trinke ich zwischen durch gerne wieder einen Rotwein. Und überhaupt darf der Genuss nicht zu kurz kommen. Dafür esse ich viel zu gerne Schokolade oder ab und zu ein Stück Kuchen (Es gibt sogar einige ganz leckere Vollkornteilchen.). Auch Fast Food ist für mich nicht völlig tabu. Es ist also keine wirklich strenge Ernährungsdisziplin, der ich folge. Das meiste vertrage ich auch sehr gut. Wenn Freunde mich bekochen, brauchen sie keine besonderen Regeln zu beachten. Lediglich bei angebrannten Sachen bin ich etwas pingelig. Die schneide ich dann weg oder lege sie zur Seite. Das macht den sommerlichen Grillgenuss zuweilen etwas schwierig. Ansonsten läuft meine gesamte Ernährung aber relativ unbeschwerlich. Gewisse Schwankungen in der Verdauung nehme ich hin. Manchmal kann ich sie auf die Nahrung zurückführen, manchmal nicht. Insgesamt fällt mir kein Nahrungsmittel ein, das ich rein aus Verträglichkeitsgründen von meiner Liste gestrichen habe.

Michael B. Rehabilitation

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Michael B. machte keine Reha. Niemand hatte ihn über diese Option informiert. Er probierte selbst aus, was ihm hilft. „Mit der Zeit habe ich herausgefunden, dass mir Bewegung (Nordic Walking und leichtes Laufen) gut tut.“

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Karin U. Rehabilitation

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Nach der Akutbehandlung sehnte sich Karin U. danach, nach Hause zu kommen. Doch das Fachpersonal überzeugte sie von einer stationären Reha. „Diese Entscheidung stellte sich als sehr sinnvoll heraus“, sagt sie heute.

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Nach der Operation

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Viele Darmkrebs-Patienten sind nach der Operation erst einmal erleichtert. Oft geht es ihnen danach besser, als sie vielleicht vermutet hatten. Im Befundgespräch sagt ihnen der Arzt, wie es weitergeht.

Nach der Operation
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