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Norbert B. Operation

Es sollte zunächst die Darmoperation stattfinden und nach einer kurzen Erholungsphase dann die Leber-OP.

Die Operationen – Organisatorisches im Vorfeld


Wie bereits in einem früheren Bericht beschrieben, hatten sich die Ärzte bei mir für eine zweiseitige Vorgehensweise entschieden. Das heißt, es sollte zunächst die Darmoperation stattfinden und nach einer kurzen Erholungsphase dann die Leber-OP. Vorher traf ich noch ein paar organisatorische Maßnahmen. Ich sorgte dafür, dass in der Zeit des Krankenhausaufenthaltes jemand regelmäßig meine Pflanzen goss und den Briefkasten leerte. Außerdem sicherte ich mir im Vorfeld ein kleines Netzwerk innerhalb meines Freundeskreises, um jederzeit verlässliche Ansprechpartner für Fragen und Besorgungen zu haben. Jemand, der in festen familiären Beziehungen lebt, braucht sich wahrscheinlich nicht um solche Sachen zu kümmern. Ich hatte zwar eine Freundin, wir wohnten aber nicht zusammen, während meine Eltern und Geschwister 500 Kilometer weit weg wohnten.

Schematisch ablaufende Vorgespräche

In der Klinik selbst verlief alles nach einem recht routinehaften Plan. Ich fand mich dort etwa drei Tage vor der anstehenden OP ein, um mich noch ein paar Voruntersuchungen zu unterziehen. Außerdem standen die sogenannten Aufklärungsgespräche an, sowohl mit den Anästhesisten als auch mit den Operateuren. Für die Narkose bot man mir an, einen Zugang am Rücken zu legen, über den später auch die Schmerzmittel einfacher dosiert werden könnten. Die Vorstellung eines so fest installierten Zugangs im Rücken war mir allerdings als hauptsächlich liegender Patient unangenehm, zumal es mir auch nicht behagte, direkt in mein Rückenmark eingreifen zu lassen. Da entstanden schnell Bilder von dauerhafter Lähmung in meinem Kopf, wenn man sich nur um ein paar Millimeter vertun sollte. Mittlerweile bin ich mir allerdings unsicher darüber, ob ich mir mit der Ablehnung nicht eine bequemere Schmerzmittelversorgung verbaute. Ein großes Problem bei den Vorgesprächen mit den Ärzten sowohl für die Narkose als auch für die Operationen bestand für mich darin, dass es keine ausreichende Vertrauensbasis gab. Schlichtweg, weil man sich einfach nicht gut genug kannte. Auf mich wirkten die Ärzte so, als ob sie zwar pflichtgemäß auf meine Fragen eingingen, ihre Antworten aber durchweg beschwichtigend waren. Dadurch kam es eher wie ein Abwiegeln meiner Sorgen rüber als um eine echte Auseinandersetzung damit. Bei den zu operierenden Körperregionen handelt es sich jedoch um sehr sensible Bereiche mit komplizierten Nervengeflechten beziehungsweise großer Blutdurchflutung. Wem dieses bewusst ist und wer verstehen möchte, was beim Eingriff passiert, der braucht schon eine gewisse Hartnäckigkeit, um dann bestimmt, aber nicht unfreundlich seine Fragen zustellen. Ein weiterer wichtiger Moment vor der Darmoperation war noch die Markierung einer Position mit einem wasserfesten Stift, wo – falls notwendig –der künstliche Darmausgang gelegt werden sollte.

Aufwachen auf der Intensivstation

Die Narkose selbst fand ich nicht weiter unangenehm, da ich aus der Vergangenheit bereits über Operationserfahrungen verfügte. Außerdem bekam ich eine Beruhigungspille, die die Aufregung minderte. Der Übergang vom Einschlafen zum Aufwachen verlief nahtlos und ohne Erinnerung. Von einem Moment auf den anderen befand ich mich wie vorher angekündigt auf der Intensivstation, einem Raum mit vielen Überwachungsgeräten und Pflegern, die in blauer Kleidung herumliefen. So ziemlich mein erster Griff ging in Richtung linke Leistenregion, um zu überprüfen, ob ein künstlicher Darmausgang gelegt wurde. Zu meiner Beruhigung war dort alles normal. Irgendwann kam dann der Chirurg zur Visite. Er war zufrieden mit meinem Zustand, sodass ich am nächsten Tag auf die normale Station verlegt werden konnte.

Schwierige erste Tage – tröstliche Besuche

Die nächsten Tage waren recht mühsam. Ich hatte immer wieder Schmerzen, konnte schlecht schlafen und war an mehrere Versorgungsschläuche angeschlossen. Am schlimmsten fand ich jedoch, fünf Tage nichts essen und trinken zu dürfen, um den frisch operierten Darm zu schonen. Zu der Zeit wurde mir noch einmal deutlicher, wie krank ich wirklich war. Da tat es gut, fast täglich Besuch von meiner Freundin zu bekommen. Auch andere Leute kamen gern vorbei oder riefen an. Wichtig war dabei jedoch auch, es ehrlich zu sagen, sobald es mir zu viel wurde beziehungsweise zwischendurch einfach mal weg zu dösen, wenn mich die Müdigkeit überfiel. Es ging nicht darum, den Besuchern eine Unterhaltung bieten zu müssen, sondern ausschließlich darum, mir das zu gönnen, was mir gut tat.

Bewegung hilft

Nachdem das Schlimmste überstanden war und ich mich allmählich fitter fühlte, begann ich damit, mich möglichst viel zu bewegen. Ich ging die Flure auf und ab, stieg Treppen und machte meine Übungen, die mir der Physiotherapeut gezeigt hatte. Das kostete zwar häufig Überwindung, aber auf diese Weise gelang es mir, im Laufe der zweiten Woche eine relativ gute Mobilität zu erreichen. Man konnte mich schließlich für drei Tage nach Hause schicken, bevor die zweite Operation anstand.

Enttäuschungen und Komplikationen

Leider verlief die Leber-OP nicht so reibungslos. Ich hatte gehofft, ebenfalls nach zwei bis drei Wochen das Krankenhaus wieder verlassen zu können, um Weihnachten oder spätestens zu Sylvester zu Hause zu sein, zumal die Ärzte mich zu dieser Hoffnung ermutigt hatten. Dann stellte sich jedoch heraus, dass mein Gallengang undicht war. Mir war häufig sehr übel. Als nächstes diagnostizierte man eine Thrombose in meiner Pfortader, was sehr kritisch werden konnte. Und schließlich bildeten sich noch Wasseransammlungen in meinem Bauchbereich. Mein Oberbauch spannte sich deshalb immer sehr stark, wodurch mir die Nahrungsaufnahme schwer fiel. Bei all dem waren die Ärzte sehr diffus. Ihre Informationen kamen nur zögerlich und waren unklar, teilweise sogar widersprüchlich. Lediglich die Oberärzte, die ich jedoch nur selten zu Gesicht bekam, sprachen deutlichere Worte. Zusätzlich gab es zu Beginn noch einen Stationsarzt, der sich immer wieder Zeit für kurze Gespräche nahm, was ich als sehr wohltuend empfand. Leider wechselte er später die Station. Insgesamt fielen mir diese Wochen daher sehr schwer. Dass ich sie trotzdem noch ganz gut durchstehen konnte, lag hauptsächlich an der Unterstützung durch meine Freundin. Wir gingen häufig auch außerhalb des Klinikgeländes spazieren oder in Cafés hinein, wodurch ich zwischendurch wenigstens etwas Abstand zur tristen Krankenhausatmosphäre bekam. Alles in allem dauerte der zweite Aufenthalt über fünf Wochen, bis ich endlich, reichlich gewichtsreduziert, aber sehr erleichtert nach Hause konnte.

Chirurgische Meisterleistungen

Ich könnte wahrscheinlich noch viele kleine Erlebnisse aus dieser Zeit berichten, sowohl Entmutigendes als auch Ermutigendes. Je mehr ich daran zurückdenke, desto mehr fällt mir wieder ein. Es ist aber auch gut, dass die Erinnerung nicht ständig präsent bleibt. Der Krankenhausaufenthalt bildete eine Episode. Hinterher standen andere Dinge zur Krankheitsbewältigung im Vordergrund. Allerdings wird mir noch immer mulmig zumute, sobald ich eine Klinik betrete. Doch auch dieses Empfinden schwächt sich mit der Zeit ab. Mein persönliches Resümee lautet letztlich, dass die Chirurgen hervorragende Arbeit geleistet haben. Insbesondere die Operation meiner Leber, bei der mir 60 bis 70 Prozent weggeschnitten wurden, sehe ich als Meisterleistung an. Es kam in den letzten jetzt knapp sechs Jahren zu keinen Metastasenneubildungen. Die Leber selbst hat indes praktisch ihr ursprüngliches Volumen zurückgewonnen. Bedauerlich ist es jedoch, wie unausgereift die menschliche Betreuung im Krankenhaus war. Wahrscheinlich ist das umso mehr ein Problem, je größer die Klinik ist. Eine Uniklinik ist ein Massenbetrieb. Sie bietet allerdings densehr bedeutsamen Vorteil, viel fachliche Erfahrung und Kompetenz unter einem Dach zu vereinen.

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