Roche

Norbert B. Nachsorge

In den ersten Monaten nach den Krankenhausaufenthalten drehte sich noch fast alles um die Erkrankung.


Einerseits sorgten die weiteren Behandlungen dafür, dass das Thema präsent Einerseits sorgten die weiteren Behandlungen dafür, dass das Thema präsent blieb, andererseits auch die weiterhin deutlich spürbare körperliche Schwächung. Hinzu kam eine ständige Sorge um meinen Gesundheitszustand und inwieweit ich noch einmal unbeschwert würde leben können. Wenn ich mit anderen Leuten zusammenkam, merkte ich, wie schwer es mir fiel, mich an normalen Gesprächen zu beteiligen. Immer noch kreisten meine Gedanken in erster Linie um den Krebs. Mir war das zuweilen regelrecht unangenehm, aber es bildete sich einfach nur wenig Interesse für andere Themen heraus. Kleine Entwicklungsschritte, wie zum Beispiel das erste Mal wieder mit dem Fahrrad fahren zu können oder auch die Sitzungen mit zwei meiner Klienten wieder aufzunehmen, markierten allerdings Erfolge, an denen ich mich auf meinem Weg zur alten Leistungsfähigkeit orientierte.

Leistungsfähigkeit statt Normalität

Für mich gab es auch vor der Krebserkrankung kein Leben mit festen Alltagsstrukturen. Das ist wahrscheinlich so, weil ich freiberuflich tätig bin und weil ich keine eigene Familie habe. Von daher gab es auch keine Vorstellung von Rückkehr in die Normalität. Mir ging es vielmehr um das Wiedererlangen meiner Leistungsfähigkeit, um wieder auf eigenen Füßen stehen zu können und auch um selbst bestimmen zu können, inwieweit ich mich noch mit dem Krebs auseinander setzen möchte oder nicht. Ich wollte zwar nicht ein ‚Weiter-wie-zuvor-Leben‘, aber ich wollte mir mein Leben auch nicht nur vom Krebs diktieren lassen. Befreit begann ich mich zu fühlen, als ich wiederInteresse an anderen Themen entwickelte und ich wieder mehr arbeiten konnte. Allerdings realisierte ich auch, dass ich mich mit dem Krebs würde arrangieren müssen, er von nun an ein Teil von mir sein würde. Medizinisch gesehen galt ich zwar als tumorfrei, meine Seele war jedoch mitnichten frei vom Tumor. Das galt es für mich zu akzeptieren.

Einstellen auf Veränderungen im Alltag

Als ich mich allmählich besser fühlte und ich körperlich in der Lage war, wieder am sozialen Leben teilzunehmen, ging es darum, die Vorsätze, die ich mir für mein Leben nach dem Krebs gemacht hatte, in den Alltag einzubauen. Zwangsläufig veränderte sich der Alltag dadurch gegenüber vorher, aber es sollte keine 180-Grad-Wende werden, die sowieso unrealistisch gewesen wäre. Die größten Veränderungen ergaben sich aus meinem selbst auferlegten Alkoholverzicht, um meine operierte Leber zu schonen, sowie aus dem Vorhaben, beruflich kürzer zu treten. Es war bemerkenswert mitzubekommen, wie viel sich durch den Verzicht auf Alkohol änderte, obwohl ich vorher bestimmt nicht übermäßig viel getrunken hatte. Jede Party, jedes Treffen mit Freunden oder Kneipengänge liefen nun anders ab. Der eigentliche Verzicht fiel mir zwar nicht schwer, trotzdem war es nicht einfach, mich in diese veränderten Situationen einzufinden. Auf Kneipentouren gehe ich seitdem zum Beispiel fast gar nicht mehr, obgleich meine Abstinenz mittlerweile nicht mehr so absolut ist. Ebenso ist es als Freiberufler nichtleicht, beruflich kürzer zu treten, weil das bedeutet, Aufträge auch mal abzulehnen, deren Honorar ich womöglich in magereren Zeiten gut gebrauchen könnte. Durch meine Krebserkrankung ist mir jedoch bewusst geworden, wiewichtig meine Gesundheit ist. Ihr Erhalt steht für mich jetzt ganz weit oben und beeinflusst dadurch auch berufliche Entscheidungen, während ich mir früher weniger Gedanken um die Gesundheit gemacht habe. Außerdem habe ich weiterhin mit Fatigue-Symptomen zu kämpfen, die ebenfalls sowohl den Beruf als auch den Alltag beeinflussen.

Der Krebs ist weiterhin ständig präsent

Obwohlich glücklicherweise medizinisch betrachtet tumorfrei bin, vergeht kein Tag, an dem ich nicht an den Krebs denke. Dabei handelt es sich keinesfalls nur um belastende oder beeinträchtigende Gedanken. Meistens sind sie sogar eher unterschwellig. Aber wenn ich innehalte, spüre ich, wie der Krebs als eine Art Alltagsbegleiter immer mit dabei ist. Er sorgt gewissermaßen dafür, dass ich dem Leben mit einer anderen Haltung begegne. Das kann in Form von Warnungen bei Alltagshandlungen geschehen, aber auch als Erinnerung zu mehr Achtsamkeit und Bewusstsein. Dinge, die ich früher als selbstverständlich hingenommen hatte, erhalten auf dieses Weise eine andere Qualität. Ich entdecke Wertvolles, wo ich es früher nie vermutet hätte. Der konservativ klingende Begriff „Demut“ beschreibtdiese Haltung gegenüber dem Leben noch am besten.

Ängste, Sorgen und Hoffnungen

Natürlich gibt es auch die schweren Seiten durch diese Krebs-Präsenz. So bin ich zwischendurch immer mal wieder traurig darüber, dass mir heute in vielen Situationen eine Unbekümmertheit fehlt, die ich bei anderen Leuten zu beobachten meine. Auch darüber, dass ich gewisse Einschränkungen meiner Lebensqualität hinnehmen muss. Das sind allerdings Empfindungen, die ich gut annehmen kann. Schwieriger wird es, wenn sich körperliche Unregelmäßigkeiten zeigen, die ich mir nicht erklären kann. Dann ist die Angst vor einem Neuausbruch der Krankheit nicht mehr weit weg. Ebenso steigt die Angst vor den Nachsorgeuntersuchungen stark an. Einen möglichen Rückfall mag ich mir gar nicht ausmalen. Wieder diese Krankenhausaufenthalte, die Behandlungen, OPs, Schmerzen und alles, was damit zusammenhängt. Heute weiß ich außerdem viel mehr über den Krebs. Zwar wäre ich dadurch wahrscheinlich in der Lage, meine Behandlung besser selbst mit zu steuern, aber ich befürchte, dass dadurch zugleich meine Ängste größer sein würden. Mit den Jahren hat jedoch das angeschlagene Vertrauen in meine Gesundheit stetig wiederzugenommen, was sich angstmindernd auswirkt. Außerdem vermitteln die Nachsorgeuntersuchungen hinterher immer auch ein Stück wohltuende Sicherheit (natürlich nur solange sie gut ausfallen). Und ich versuche mich damit zu beruhigen, dass ich im Falle eines Rezidivs lebenswerte Umgangsformen entwickeln könnte, die ich mir heute womöglich noch gar nicht vorstellen kann. Die Medizin schreitet zudem ja ebenfalls voran, wodurch sich immer neue Behandlungsangebote ergeben, die die Krankheit erträglicher machen sollen. Aber ich hoffe und wünsche mir natürlich, darauf nicht zurückgreifen zu müssen, sondern weiterhin rezidiv frei zu bleiben.

Michael B. Nachsorge

Michael B. Nachsorge

Die regelmäßigen Nachkontrollen hält Michael B. gewissenhaft ein. Zudem lässt er sich psychoonkologisch beraten. „Inzwischen lerne ich, zur Ruhe zu kommen. Dafür habe ich auch Entspannungs-Yoga angefangen.“

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Heidi L. über ihre Erfahrung

Heidi L. über ihre Erfahrung

„Obwohl ich wohl schon geahnt hatte, dass es sehr schlimm war, hatte ich ‚Krebs‘ immer noch völlig aus meinen Gedanken ausgeschaltet“, schreibt Patientin Heidi L. in ihrem Erfahrungsbericht.

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Nachsorge

Nachsorge

Nach der intensiven medizinischen Therapie von Darmkrebs folgt für den Patienten der nächste Schritt: die Nachsorge. Diese besteht aus regelmäßigen Untersuchungen und Gesprächen mit dem Arzt.

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