Roche

Norbert B. Ergänzende Maßnahmen

Es war mir von Anfang an ein großes Bedürfnis, neben den beiden bei mir zum Einsatz gekommenen sogenannten klassischen Therapien, Operation und Chemo, noch weitere Wege zu finden, mich möglichst gut vor einem Wiederausbruch des Krebses zu schützen.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten und Aktivitäten


Gleichzeitig ging es mir darum, einen Umgang mit der Krankheit zu entwickeln, sowohl mit den Beeinträchtigungen als auch mit der Angst vor Rückfällen. Ich wollte mich nicht einfach mehr oder weniger passiv nur den Empfehlungen der Akutmediziner hingeben, sondern darüber hinaus in aktiver Eigeninitiative den Krankheitsverlauf mit beeinflussen. Neben meinem grundsätzlichen Glauben an solche Einflussmöglichkeiten steckt wohl außerdem die innere Überzeugung dahinter, dass die medizinischen Akutmaßnahmen hilfreich und lebensrettend sind– sie aber die gesamte Behandlungsnotwendigkeit noch nicht abdecken. Sie stellen gewissermaßen einen Einstieg dar, aber noch nicht den Abschluss der Behandlung.

Entscheidungs- und Motivationsprobleme

Allerdings gingen mit dem Bedürfnis nach eigener Einflussnahme viele Entscheidungsprobleme einher, die im Prinzip bis heute andauern, wenn auch in wesentlich abgeschwächter Form. Am einfachsten war es für mich noch, mich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben, um mir Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung zu holen. Mein eigener psychologischer und psychotherapeutischer Hintergrund halfen mir bei diesem Schritt. Ferner stand für mich die Inanspruchnahme einer Reha außer Frage, vor allem um die deutlich zu spürende körperliche Schwächung wieder halbwegs auszugleichen. Für alles Weitere konnte ich jedoch nicht mein persönliches Erfahrungswissen heranziehen. Es galt, mich selbst überzeugende Entscheidungskriterien für die wahrhaft riesige Fülle an Optionen zu suchen – und das in einem Zustand von großer Verunsicherung. Zu den vielen gut gemeinten Tipps aus meinem privaten Umfeld kamen die Informationen, die ich mir über Bücher und andere Medienaneignete. Ich wollte mich bei alldem nicht nur auf die streng wissenschaftlich untersuchten und belegten Ansätze beschränken, sondern auch solche in Betracht ziehen, für deren Wirkung viele Erfahrungen sprachen, auch ohne dass sie in aufwendigen Forschungsdesigns überprüft worden wären. Das macht sie in meinen Augen nicht automatisch unseriös. In diesem Suchprozess entwickelten sich regelmäßig schwer auszuhaltende Konflikte: Einerseits setzte ich mich unter Druck, etwas zu tun, andererseits wollte ich mich nicht verrückt machen. Zuviel Stress gilt ja auch schon wieder als ein Risikofaktor. Außerdem wollte ich mich nicht in übermäßige oder gar überflüssige Unkosten stürzen, hatte aber gleichzeitig die Aufforderung im Kopf, für das eigene Leben keine Kostenscheuen zu dürfen. Was aber ist sein Geld wert und was dient ausschließlich der Selbstberuhigung und füllt allenfalls die Kassen der Anbieter? Über die dubiosen Geschäftemacher, die es sicher auch gibt, will ich mich derweil gar nicht äußern. Schließlich konnte ich zudem noch an mir beobachten, wie schweres mir manchmal fiel, empfohlene Maßnahmen tatsächlich umzusetzen, selbst wenn sie an sich sehr überzeugend klangen.

Vieles ausprobiert

Im Laufe der Zeit nahm ich dann mehrere Möglichkeiten in Anspruch, von denen ich mir eine konstitutionelle und auch psychische Stärkung erhoffte. Teilweise ging es dabei allerdings zusätzlich um die Behandlung der operativ bedingten entstandenen Folgeprobleme. So wollte ich zum Beispiel eine entzündete Darmfistel komplementärmedizinisch angehen, um eine weitere Operation mit vorübergehendem Stoma zu vermeiden. Da ich wegen einer operationsbedingten Gallengangverengung außerdem mehrmals Antibiotika bekam, sollten homöopathische Mittel mir dabei helfen, deren negative Begleiterscheinungen zu mindern. Neben der Homöopathie griff ich komplementärmedizinisch noch auf die orthomolekulare und die traditionelle chinesische Medizin zurück. Fachlich holte ich mir von der „Gesellschaft für biologische Krebsabwehr“ sowie von einem Arzt für Naturheilkunde persönlichen Rat. Die Psychotherapie habe ich schon erwähnt. Außerdem beschäftigte ich mich noch mit dem Meditationsansatz von O. Carl Simonton, von dem ich bereits früher schon mal etwas gehört hatte. Körperliche Bewegungsübungen, Sport und eine Umstellung der Ernährung vervollständigen die Liste der verschiedenen Optionen, mit denen ich mich beschäftigte und die ich zumindest ansatzweise auch anwendete. Keine dieser Therapieansätze will ich in Abrede stellen. Ich glaube, sie haben alle ihre Berechtigung. Für mich gilt als seriös, wenn der Behandler nicht versucht, seine Vorschläge gegen die von anderen auszuspielen und wenn er sich wirklich als komplementär begreift und nicht als Missionar auftritt, der den einzigrichtigen Weg vertritt.

Info zu Operationen

Den eigenen Maßnahmenkatalog kreiert

Da alles auf einmal jedoch wenig Sinn macht, entwickelte ich allmählich eine Mischung von Maßnahmen, mit denen ich am besten zurechtkam und die für mich in einem ausgewogenen Verhältnis von nicht zu viel und nicht zu wenig standen. Von Zeit zu Zeit nahm ich Anpassungen vor, die mit der fortschreitenden Genesung und dem zurückkehrenden Vertrauen in die eigene Gesundheit zusammenhingen. Einiges habe ich bis heute beibehalten.

Geholfen hat mir auch die Reha. Ich fand es sehr bereichernd, mich auf erfrischende Weise mit anderen Krebspatienten austauschen zu können. Ich bin aber auch körperlich gestärkt sowie mit neuen Anregungen von dort zurückgekommen. So betreibe ich seitdem zum Beispiel regelmäßig Nordic Walking. Zwar widerstrebte mir diese Sportart zunächst, weil ich damit eher ältere Damen ab 60 verband, weshalb ich möglichst bald zum Joggen übergehen wollte. Das wiederum machten meine Knie nicht mit. Daher kaufte ich mir schließlich eigene Stöcke, besuchte einen Kurs – zu dem ich nebenbei bemerkt jedem Nordic Walker raten würde, wenn man seine Stöcke nichtnur spazieren führen möchte –, dessen Kosten die Krankenkasse sogar zu einem großen Teil übernahm, und gehe seitdem fleißig meine Runden. Zudem meditiere ich mehrmals wöchentlich mit Visualisierungen über selbstheilende innere Körperprozesse, ohne mich dabei allerdings streng nach der Simonton-Methode zurichten.

Meine Ernährung habe ich ebenfalls umgestellt, folge aber auch hier keinem expliziten Dogma. Eher denke ich diesbezüglich manchmal: Da gibt es noch Verbesserungsbedarf. Meine anfängliche absolute Alkoholabstinenz habe ich vor zwei Jahren aufgeweicht und trinke seitdem wieder gelegentlich etwas Wein. Das alkoholfreie Bier schmeckt mir jedoch weiterhin, da brauche ich nicht wieder umzukehren. Außerdem nehme ich immer noch einige Nahrungsergänzungsmittel auf Naturbasis zu mir, wenn auch mittlerweile in viel geringerer Dosierung als zu Beginn der Behandlung und auch nicht mehr so fest orthomolekularmedizinisch untermauert. Und für die allgemeine konstitutionelle Stärkung greife ich auf die traditionelle chinesische Medizin zurück. Ein auf diese Richtung spezialisierter und sehrerfahrener Heilpraktiker aus meinem Bekanntenkreis entwickelt für mich regelmäßig eine Zusammenstellung verschiedener Kräuterpulver.

Mit all dem habe ich mich recht gut arrangiert. Es ist sozusagen meine individuelle Maßnahmenrezeptur, die mir gut tut. Sie verträgt sich zudem mit meiner grundsätzlichen Einstellung zum Leben und zum Tod, an der ich ebenfalls gearbeitet habe. Ob ein kausaler Zusammenhang zwischen meinem recht gute nGesundheitszustand und dem beschriebenen Behandlungsmix besteht, wird wahrscheinlich nicht objektiv nachweisbar sein. Das spielt für mich letztlich auch keine Rolle, ich richte mich nach meinem subjektiven Befinden.

Erwähnen möchte ich zum Abschluss noch eine rein schulmedizinische Maßnahme, die ich seit einiger Zeit in Anspruch nehme, seit ich als fatiguebelastet (Erschöpfungbei Krebs) eingestuft wurde. Ich nehme jetzt ein Methylphenidat-Präparat, dasmir zusätzlich zu meinen Bewegungsaktivitäten sehr gegen die Erschöpfungszustände hilft. Diese Erschöpfung war mir anfangs gar nicht so bewusst, da sie irgendwie unspezifisch war und ich mich wohl auch unbemerkt an sie gewöhnt hatte. Das aber, glaube ich, führt bei vielen Tumorpatienten dazu, dass sie ihre Fatigue nicht als solche erkennen.

Michael B. Maßnahmen

Michael B. Maßnahmen

Michael B. wurde nach der OP mit einer Chemo- und Strahlentherapie behandelt. Mit viel Schlaf, Arbeit und Spazierengehen lenkte er sich von den Nebenwirkungen ab. „Die Bewegung hat meinem Körper geholfen“, erzählt er.

Michael B. Maßnahmen
Hubert B. Maßnahmen

Hubert B. Maßnahmen

Der Patient Hubert B. schildert, ob und welche ergänzenden Maßnahmen wie eine Ernährungsumstellung und Sportübungen ihm nach der Darmkrebs-Therapie geholfen haben.

Hubert B. Maßnahmen
Chemotherapie

Chemotherapie

Eine Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlung, die die bösartigen Zellen zerstören und das Zellwachstum hemmen soll. Sie kommt je nach Stadium und Lage des Tumors zum Einsatz.

Chemotherapie
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