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Karin U. Weitere Therapien

Die Untersuchungen und die Entscheidungsfindung der optimalen Therapie waren abgeschlossen. Und ich hatte das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zuhaben.


Dies ist meines Erachtens super wichtig, um alles Kommende zu überstehen. Die erste Woche 24 Stunden Dauerinfusion mit den Zytostatika war sehr befremdlich. Ich lag auf einer Station, wo alle Patienten zusätzlich Strahlentherapie bekamen. Jeden Tag zur gleichen Zeit musste ich mich ins Untergeschoss der Klinikbegeben, um dort für wenige Minuten meine Bestrahlung zu bekommen. Nach dieser Woche konnte ich nach Hause entlassen werden, um dann für vier Wochen jeden Tag zur gleichen Zeit im Klinikum ambulant bestrahlt zu werden. Nach vier Wochen fand ich mich erneut in der Klinik ein, um wiederfür eine Woche 24 Stunden Dauerinfusion plus Bestrahlung zu erhalten. In diesen Wochen nahm ich stark an Gewicht ab und mein Appetit ging gegen null.

Erholung stand an


Sechs Wochen Erholung standen dann an. Es fand in dieser Zeit keine Untersuchung statt, um zu erfahren, ob der Tumor auf diese Tortur reagiert hatte. Die verbrannte Körperregion musste verheilen, so dass ich anschließend operiert werden konnte. Diese Zeit der Ungewissheit war sehr anstrengend, gleichzeitig war ich aber auch froh, endlich Abstand von der Klinik zu bekommen. In dieser Zeit informierte ich mich über Alternativen zur Schulmedizin. Ich suchte einen Heilpraktiker auf, der mich in der Zeit mit verschiedenen, die Chemo nicht beeinträchtigenden Maßnahmen behandelte. Nach sechs Wochen fuhr ich zu dem Professor, der mich operieren sollte. Wieder wurden Untersuchungen durchgeführt, um zu sehen, ob der Tumor auf die vorangegangene Behandlung angesprochen hatte. Die CT war eindeutig: Der Tumor hatte sich sehr verkleinert und konnte fast nicht mehr gesehen werden. Für mich war dieses Ergebnis einerseits sehr gut, andererseits konnte ich nicht glauben, dass irgendwelche Zellen diese Tortur überlebt hatten. Ich konnte sphinkter erhaltend operiert werden, d.h., der Schließmuskel konnte erhalten werden. Und diese Aussage machte mich zuversichtlich.

Die Operation verlief sehr gut


Die Operation verlief sehr gut und ich wurde bereits nach zwei Wochen in die anschließende Heilbehandlung entlassen. In dieser Klinik lernte ich den Umgang mit dem Stoma. Man empfahl mir zu dieser Zeit, eine Diät einzuhalten, die ich bis heute einhalte. Eine erste Abwehr und Unsicherheit wichen schnell dem Gefühl, diese körperliche Veränderung anzunehmen und damit umzugehen. Inmitten der anderen Patienten, die dort wegen den verschiedensten Krankheiten behandelt wurden, empfand ich mich in dieser Zeit gut begleitet und erhielt eine gute Vorbereitung für die „Welt der Gesunden“, in die ich bald wiederzurückkehren sollte. Nach vier Wochen Rehabilitation ging ich nahtlos zur ambulanten Chemobehandlung. Dieser Weg war für mich sehr schwer. Ich hatte in der Klinik und während der Bestrahlungszeit sehr viel gelesen und stand dieser chemischen Keule skeptisch gegenüber. Für sechs Monate sollte ich alle zwei Wochen für drei Tage die Woche mit einer Infusionspumpe verschiedene Zytostatika bekommen. Ich war mir nicht sicher, ob diese Behandlung in meinem Fall auch die richtige war.
Ich wollte mir jedoch nicht den Vorwurf machen, irgendeine Behandlung abgelehnt zu haben. Ich fühlte mich unsicher und verletzlich. Diese verhaltene innere Einstellung führte meines Erachtens auch dazu, dass ich den ersten ambulanten Zyklus super schlecht vertrug. Noch während der fünf Stunden in der Klinik wurde ich von einer heftigen Übelkeit geplagt. Der Arzt sagte, dies sei normal.
Nachdem die Infusion durch den Port lief, der mir vorher noch implantiert wurde, verließ ich die Klinik, um zwölf Stunden später als Notfall eingeliefert zu werden. Ich vermutete, einen Darmverschluss zu haben, der nicht als solcher erkannt und dementsprechend falsch behandelt wurde.

Alle Übelkeit und Erbrechen wurden der vorher erhaltenen Chemo zugeordnet und auf mich als Patientin hörte niemand. Erst nach einer qualvollen Woche wurde ich endlich operiert. Diese für mich im Nachhinein sehr schlimme, schmerzhafte Zeit hat dazu geführt, dass ich lernte, für mich selbst einzutreten, Wachsam zu sein und auf meinen Körper zu hören. Sich nicht abwimmeln und vor allen Dingen nicht verunsichern zu lassen, dies sind für mich sehr wichtige Eigenschaften, die ich als Patient unbedingt brauche, um diesen Behandlungsmarathon gut zu überstehen. Die Verabreichung der Chemotherapie führte zu einer Art „Persönlichkeitsverlust“.

Ich war auf den Körper reduziert


Das bedeutete für mich, dass ich mich als Mensch gar nicht mehr wahrgenommen habe. Ich war auf den Körper reduziert und auf das, was mit ihm geschah. Ich konnte diesem Tempo gar nicht standhalten. In dieser Zeit war für mich die psychoonkologische Therapie sehr wichtig. Dort lernte ich meine Ängste und meine Schuld zu verarbeiten. Ich bin der festen Überzeugung, dass nur ich zu 100 Prozent an mir interessiert bin. Für die Behandler bin ich nur einer von vielen Patienten. Nach der erneuten Operation war mein Vertrauen in die Mediziner und deren Behandlung derart angeschlagen, dass ich mich für drei Wochen selbst aus der Therapie zog.
Ein Abbruch der Behandlung stand zwar nie zur Debatte, ich brauchte allerdings ein wenig Zeit, um mich körperlich und seelisch auf die kommenden Wochen und Monate einzulassen.
Es folgten noch zwei Zyklen Chemotherapie, die ich stationär verabreicht bekam, um eventuellen Komplikationen vorzubeugen, und weitere acht bekam ich ambulant. Nach einem halben Jahr, auf den Tag genau an meinem 40. Geburtstag, war die Chemobehandlung abgeschlossen.

Michael B. – weitere Therapien

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„Eigentlich ist die Operation nicht so schlimm“, findet Michael B. im Rückblick. Er verbrachte etwas mehr als eine Woche im Krankenhaus, danach konnte er wieder nach Hause. Etwa vierzehn Tage später begann die Chemotherapie.

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