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Darmkrebs-Therapie mit Angiogenese-Hemmern

Bei der sogenannten Angiogenese-Hemmung wird die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) behindert. Der Tumor wird dadurch nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Was ist Angiogenese?

Organe, Haut, Muskeln: Um funktionieren und arbeiten zu können, benötigen alle Zellen unseres Körpers unentwegt Sauerstoff und Nährstoffe. Das Blut übernimmt dabei den Transport. Ein engmaschiges Netz an Blutgefäßen garantiert, dass sämtliche Zellen von Kopf bis Fuß ausreichend „Kraftstoffe“ erhalten. Wie bei einem Straßennetz verzweigt sich dieses System in zahlreiche große und kleine Wege, die jeden noch so entlegenen Winkel erreichen.

Die Entstehung dieser Blutgefäße bezeichnet man als „Angiogenese“. Der Begriff leitet sich aus den altgriechischen Bezeichnungen für „Gefäß“ („Angio“) und „Entstehung“ („Genese“) ab. Das Hauptversorgungsnetz der Blutgefäße legt unser Körper bereits vor der Geburt an. Doch auch beim erwachsenen Menschen bilden sich immer wieder neue Blutgefäße. Das spielt für die Wundheilung, beispielsweise nach Verletzungen, eine zentrale Rolle: Über die Gefäße können die Abwehrzellen und „Baumaterial“ zur Reparatur des Gewebes herantransportiert werden.

Was ist Tumor-Angiogenese?

Tumoren bestehen ebenfalls aus körpereigenen Zellen, die Nährstoffe und Sauerstoff benötigen. Da sich Krebszellen häufig teilen, ist ihr Bedarf besonders hoch. In der Entstehungsphase hat ein Tumor noch keine eigenen Blutgefäße. Er beschafft sich die erforderlichen Stoffe aus der Umgebung. Doch über kurz oder lang benötigen die meisten Tumoren die direkte Anbindung an die Blutgefäße, um weiter wachsen zu können. Ohne eigene Blutgefäße würden sie nicht größer als ein bis zwei Millimeter.

Deshalb veranlassen Tumoren den Körper zur Bildung neuer Blutgefäße, um Teil des Versorgungsnetzes zu werden. Diesen Vorgang nennt man Tumor-Angiogenese.

Wie schafft es der Tumor, sich selbst zu versorgen?

Um die Bildung neuer Blutgefäße zu veranlassen, produziert der Tumor sogenannte Gefäßwachstumsfaktoren. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich hierbei um Stoffe, die das Wachstum von Gefäßen – in diesem Fall von Blutgefäßen – fördern. Der wichtigste dieser Gefäßwachstumsfaktoren heißt VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor).

Und so läuft die Tumor-Angiogenese genau ab: Um seine Blutversorgung sicherzustellen, sendet der Tumor unter anderem die Wachstumsfaktoren VEGF als Lockstoff zu den benachbarten Blutgefäßen. Dort suchen sie nach speziellen Antennen, an die sie andocken können. In ihrer Beschaffenheit passen die Wachstumsfaktoren und die Antennen zueinander wie Schlüssel und Schloss.

Sobald diese Verbindung hergestellt ist, bilden die Blutgefäße neue Verzweigungen in Richtung des Tumors. Auf diese Weise ist er schon bald in ein enges Gefäßnetz eingebunden. Der Tumor wird darüber nun verstärkt mit Sauerstoff und Nährstoffen beliefert, die sein Wachstum fördern.

Da der Tumor größer wird, reicht der Sauerstoff beizeiten nicht mehr. Er sendet erneut Wachstumsfaktoren aus, woraufhin sich weitere Blutgefäße um ihn herum entwickeln. Die Neubildung von Blutgefäßen ist ein fortwährender Prozess im Verlauf des Tumorwachstums.

Ist der Tumor erst einmal mit dem Blutnetz verbunden, kann er sich ungehindert vergrößern. Auch die Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) kann davon abhängig sein: Wenn Krebszellen in die umliegenden Blutgefäße gelangen, können sie in benachbarte Körperregionen transportiert werden, sich dort ansiedeln und Metastasen bilden.

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Der Tumor sendet die Wachstumsfaktoren VEGF zu den benachbarten Blutgefäßen und löst damit den Befehl aus, neue Verzweigungen in Richtung der Geschwulst zu bilden. Es entsteht ein Versorgungsnetz, das den Tumor ernährt und damit sein Wachstum ankurbelt.

Wie wird die Tumor-Angionese gehemmt?

Wird die Entstehung neuer Blutgefäße unterbunden, die Angiogenese also gehemmt, kann das Tumorwachstum gestoppt werden. Der Angiogenese-Hemmer fängt den Wachstumsfaktor VEGF ab: Daraufhin kann VEGF nicht an die Antennen der Blutgefäße andocken. Indem der Angiogenese-Hemmer diesen Zusammenschluss verhindert, bleibt der Befehl aus, neue Verzweigungen zum Tumor hin zu bilden. Da keine Gefäßneubildung stattfindet, wird das Wachstum der Blutgefäße gehemmt; bestehende Gefäße bilden sich zurück. Der Tumor erhält nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe – er wird regelrecht ausgehungert. 

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Der Angiogenese-Hemmer fängt den Wachstumsfaktor VEGF ab. Das Signal zur Neubildung von Blutgefäßen bleibt aus: Nun können sich keine Verzweigungen mehr in Richtung Geschwulst bilden. Der Tumor wird regelrecht ausgehungert.


Für die Behandlung von fortgeschrittenem Darmkrebs (Stadium IV) stehen zwei Angiogenese-Hemmer zur Verfügung. Bereits seit 2005 wird der Wirkstoff Bevacizumab eingesetzt. 2013 wurde der Angiogenese-Hemmer Aflibercept zugelassen

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