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Die Darmkrebs-Operation: Was kommt auf mich zu?

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Pompiliu Piso gibt Antworten auf Fragen, die sich Patienten vor einer Darmkrebs-Operation häufig stellen. Er sagt: „Aus meiner Erfahrung als Chirurg weiß ich, dass die Angst vor einer Darm-Operation häufig sehr groß ist. Hier möchte ich Ihnen nun einige Fragen beantworten, die mir im Vorgespräch zur Operation oder im Klinikalltag immer wieder begegnen. Natürlich ist dies kein Ersatz für ein Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt, sondern soll Ihnen nur einen ersten Überblick geben.“

Wie gefährlich ist die Operation?

Prof. Piso: Sowohl Dickdarm- als auch Mastdarmoperationen gehören heute in spezialisierten Kliniken bzw. zertifizierten Darmzentren zu den Routineeingriffen. Dennoch können Komplikationen nie ganz ausgeschlossen werden. Eines der häufigsten Probleme bei der operativen Behandlung von Darmkrebs kann die so genannte „Anastomosen-Insuffizienz“ sein. Dabei heilt die Darmnaht nicht richtig und wird dadurch undicht. Aber durch immer bessere Operationsverfahren konnte in den letzten Jahren das Vorkommen von Komplikationen enorm gemindert werden. Auch Reoperationen, das sind ungeplante Folgeeingriffe aufgrund von Problemen nach der vorhergehenden Operation, sind nur selten notwendig. Natürlich ist eine Operation immer noch mit Risiken verbunden, eine übersteigerte Angst vor dem Eingriff ist aber unbegründet. Ihr Arzt wird Ihnen vor der Operation genau erklären, was auf Sie zukommt. Es ist wichtig, dass Sie ihm von Ihren Sorgen berichten und nachfragen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.

Wie viel Darm muss bei mir entfernt werden?

Prof. Piso: Je nach Lage des Tumors wird Patienten ein bestimmter Teil des Dick- bzw. Mastdarms entfernt. Bei einer Operation des Dickdarms ist dies in der Regel ein Darmabschnitt von ca. 30 bis 50 cm. Wie viel Darm bei Ihnen entfernt wird und welches Operationsverfahren für Sie sinnvoll ist, wird Ihnen der Operateur in einem gemeinsamen Vorgespräch erläutern. Die meisten Operationen werden über das sogenannte „offene“ Verfahren, das heißt, über einen größeren Schnitt in der Bauchdecke durchgeführt. Zum Teil nutzen Chirurgen heute auch die Möglichkeiten der minimal-invasiven Chirurgie – auch Schlüsselloch-Chirurgie genannt. Hierbei erfolgt der Eingriff über kleinere Schnitte in der Bauchdecke. Alle notwendigen Instrumente, eine Lichtquelle sowie eine Kamera können darüber eingeführt werden.

Kann ich ohne Dickdarm leben?

Prof. Piso: Selbst wenn große Teile des Dickdarms entfernt werden müssen, können die Patienten nach der Operation eine Lebensqualität erreichen, die nahezu ihrem vorherigen körperlichen Zustand entspricht. Der Dickdarm ist so aufgebaut, dass die verbleibenden Darmabschnitte die Funktionen des weggenommenen Bereichs zu großen Teilen übernehmen können, wobei dieser Prozess sich über Wochen oder gar Monate hinziehen kann. Grundsätzlich könnten Sie sogar komplett ohne Dickdarm leben, dies ist aber nur in seltenen Fällen bei einer Darmkrebs-Operation notwendig.

Bekomme ich einen künstlichen Darmausgang?

Prof. Piso: Heute sind die Operationsverfahren so weit fortgeschritten, dass nur noch in seltenen Fällen ein dauerhafter künstlicher Darmausgang (Anus praeter, Stoma) angelegt werden muss. Dennoch ist es teilweise sinnvoll ein vorübergehendes Stoma anzuglegen, um den Heilungsprozess der Operationsnähte zu verbessern. Man spricht auch von einem „Schutzausgang“, der dann einige Wochen nach der Operation wieder zurück verlegt wird. Liegt der Tumor sehr nah am Schließmuskel oder muss dieser komplett entfernt werden, muss das Stoma auf Dauer angelegt werden. Ihr Arzt wird mit Ihnen vor der Operation besprechen, ob oder in welchem Rahmen eine Stomaanlage für Sie sinnvoll ist. Sollte dies bei Ihnen der Fall sein, wird sich bereits vor bzw. spätestens nach der Operation ein Stomatherapeut bei Ihnen melden, der Ihnen hilft möglichst schnell die Handhabung der Versorgung zu erlernen.

Muss bei einem Mastdarmtumor auch der Schließmuskel entfernt werden?

Prof. Piso: Je größer ein Tumor ist und je näher er am Darmausgang liegt, desto schwieriger ist es, bei der Operation den Schließmuskel zu erhalten. Heute gibt es aber hochspezialisierte Verfahren, die es uns ermöglichen auch Tumore mit einem sehr geringen Sicherheits abstand zum Schließmuskel zu operieren. Darüber hinaus raten wir Patienten vor einer Operation zu einer Vorbehandlung mit einer Bestrahlung und Chemotherapie um den Tumor zu verkleinern. Trotzdem ist es nicht immer möglich, den Schließmuskel zu erhalten. Gerade weil die Operationen im Mastdarmbereich oft sehr kompliziert sind, wird häufig ein vorübergehend künstlicher Darmausgang zur Erleichterung der Wundheilung angelegt. Muss der Schließmuskel entfernt werden, wird das Stoma auf Dauer angelegt.

Was passiert vor der Operation im Krankenhaus?

Prof. Piso: Bevor Patienten für die Operation stationär aufgenommen werden, erhalten Sie in der Regel zur Vorbereitung eine “prästationäre” Behandlung. Dabei werden verschiedene Voruntersuchungen, die zur genauen Planung der Operation wichtig sind, durchgeführt. Hierbei wird ausführlich der Ablauf der Operation, die Narkose und eine mögliche Stomaanlage besprochen. Soweit vorbereitet, können Sie dann die Zeit bis zum Eingriff zu Hause verbringen und erst am Morgen des Operationstages ins Krankenhaus zurückkommen. Je nach Ablauf in der Klinik kann es für Sie als Patient angenehmer sein für die Untersuchungen bereits ein Zimmer in der Klinik zu beziehen, insbesondere wenn eine Spülung des Dickdarmes vorgenommen werden muss. Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, was für Sie am besten ist.

Wie lange bleibe ich im Krankenhaus?

Prof. Piso:  Unmittelbar nach der Operation erfolgt in der Regel eine kurze Überwachungsphase im Aufwachraum, bevor Patienten wieder auf ihr Zimmer auf der Station zurückkehren. Im Schnitt bleiben Patienten für eine Darmoperation bei komplikationslosem Verlauf dann circa eine Woche in der Klinik. Grundsätzlich wird aber darauf geachtet, dass Patienten so schnell wie möglich wieder aktiv werden. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse haben gezeigt, dass nach einer Operation nicht zwingend lange Ruhe- und Schonzeiten eingehalten werden müssen, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Stattdessen ist es wichtig, die Patienten möglichst schnell wieder zu mobilisieren. Dazu gehört das Verlassen des Bettes, das frühzeitige Essen, umfangreiches Bewegungs- und Atemtraining sowie eine optimale Schmerztherapie. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder von dem Begriff „fast track“ gesprochen. Ob dieses Konzept für Sie passend ist, wird Ihr Arzt individuell für Sie entscheiden.

Was passiert im Krankenhaus in der Zeit nach der Operation?

Prof. Piso: In der Zeit nach der Operation erhalten Patienten in der Klinik eine umfassende Unterstützung vom gesamten Behandlungsteam. Neben einer regelmäßigen Thromboseprophylaxe bekommen Betroffene in vielen Kliniken Krankengymnastik sowie eine Ernährungsberatung. Haben Patienten einen künstlichen Darmausgang, unterstützt sie ein speziell ausgebildeter Stomatherapeut erst in der Klinik und später auch zu Hause. Neben den Folgen der Operation stellt eine Krebserkrankung für alle Beteiligten auch eine große emotionale Belastung dar. Ein Gespräch mit einem Psychoonkologen in der Klinik kann eine große Hilfe sein. Der Sozialdienst steht Betroffenen für sämtliche Alltagsfragen zu den Themen Krankenkassen, Antrag auf Rehabilitation oder ähnlichem mit Rat und Tat zur Seite. Am Ende des Krankenhausaufenthaltes erfolgt ein Abschlussgespräch mit dem behandelnden Arzt. Anschließend überliefert dieser alle wichtigen Informationen im Arztbrief an Ihren Hausarzt oder an niedergelassene Ärzte, die Sie in Zukunft weiter behandeln.

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