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Künstlicher Darmausgang

Bei einem künstlichen Darmausgang schafft der Chirurg in der Bauchdecke eine Öffnung, führt das Ende des Darms nach außen und verbindet ihn dort mit der Bauchdecke. An der Öffnung kann ein Beutel befestigt werden. Dieser nimmt die Verdauungsreste auf und muss regelmäßig gewechselt werden. Den künstlichen Darmausgang nennen Mediziner auch Stoma oder Anus praeter.

Vorübergehender künstlicher Darmausgang

Bei der Darmkrebs-Operation kann der Chirurg einen vorübergehenden künstlichen Darmausgang anlegen, um den Darm zu entlasten und den Heilungsprozess zu fördern. Mediziner sprechen deshalb auch von einem Entlastungsstoma. In diesem Fall wird, sobald es der Gesundheitszustand zulässt, die normale Darmpassage durch eine zweite Operation wieder hergestellt. Die Darmentleerung ist dann wieder auf natürlichem Weg möglich.

Dauerhafter künstlicher Darmausgang

Nur ein kleiner Teil der Patienten mit Darmkrebs lebt dauerhaft mit einem Stoma. Bei diesen Patienten lag der Tumor so nahe am Darmausgang, dass der Chirurg den Schließmuskel nicht erhalten konnte. Die Krebsselbsthilfeorganisation Deutsche ILCO schätzt die Zahl der Stoma-Träger in Deutschland auf etwa 100.000. Die ILCO ist eine Selbsthilfeorganisation für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs. Die Abkürzung setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der medizinischen Namen Ileum (Dünndarm) und Colon (Dickdarm) zusammen.

Nervös beim Gedanken an künstlichen Darmausgang

Manche Patienten sind vor der Operation nervös, weil sie befürchten, danach mit einem künstlichen Darmausgang leben zu müssen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, wie wahrscheinlich das in Ihrem Fall ist. An dieser Stelle sei gesagt, dass ein vorübergehender künstlicher Darmausgang kann den Heilungsverlauf positiv beeinflussen. Mit einem Stoma zu leben, bedeutet zwar sich umzustellen. Dennoch gelingt das vielen Patienten fast mühelos. Sie können sogar wieder Sport treiben. Was die Ernährung betrifft, brauchen Stomaträger nur wenige Punkte zu beachten. Speziell ausgebildete Stoma-Fachpflegekräfte unterstützen Sie dabei, besser mit dem Stoma zurecht zu kommen. Diese Fachkräfte gibt es an allen zertifizierten Darmzentren.

Künstlicher Darmausgang: Was kommt auf mich zu?
Grundsätzlich versucht ein Chirurg, den Schließmuskel bei der Operation von Mastdarmkrebs zu erhalten. Sitzt der Tumor allerdings zu nahe am Schließmuskel, muss er diesen mit entfernen und dem Patienten einen dauerhaften künstlichen Darmausgang anlegen.

„Wenn Patienten erfahren, dass Sie zukünftig auf ein Stoma – einen künstlichen Darmausgang – angewiesen sind, spüren wir bei den Betroffenen häufig große Unsicherheit. Nicht nur Fragen über die Funktionsweise eines künstlichen Darmausgangs, sondern auch über die Auswirkungen auf den Alltag werden gestellt.“ Um an dieser Stelle bereits einige Ängste auszuräumen, beantwortet die Stomatherapeutin Klaudia Güttner der PubliCare GmbH die häufigsten Fragen rund um das Thema künstlicher Darmausgang.

Was genau ist ein künstlicher Darmausgang?

Frau Güttner: Ein künstlicher Darmausgang wird auch als „Stoma“ oder als „Anus praeter“ bezeichnet. Das Stoma ist die operativ angelegte Öffnung auf Ihrem Bauch, in die der Darm eingenäht ist. Es hat die Aufgabe, den Stuhlgang unter Umgehung des natürlichen Darmausgangs (After, Anus) auszuscheiden. Die Ausscheidung wird nun in einem Beutel aufgefangen, der an Ihrem Bauch haftet.

Gibt es unterschiedliche Arten von Stomaanlagen?

Frau Güttner: Man unterscheidet in erster Linie zwischen einer zeitlich befristeten (temporären) und einer dauerhaften (permanenten) Stomaanlage. Zeitlich befristet wird das Stoma dann angelegt, wenn der Darm vorübergehend entlastet werden muss.


Dies kann zum Beispiel bei Entzündungen, Operationen im Enddarm oder zur Strahlentherapie zutreffen. Nach der Heilung kann das Stoma zurückverlegt werden. Manchmal ist es jedoch notwendig, das Stoma permanent anzulegen. Dies kann beispielsweise im Einzelfall bei chronischen Darmentzündungen oder bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen der Fall sein. Aber auch wenn eine Darmkrebs-Erkrankung nicht fortgeschritten ist, kann es unter Umständen sein, dass eine befriedigende Kontinenz nicht mehr gewährleistet ist und der Betroffene mit einer (permanenten) Stomaanlage langfristig eine bessere Lebensqualität hat. Wenn der Tumor ungünstig nah am Schließmuskel liegt oder der Schließmuskel sogar unmittelbar beteiligt ist, kann dies zutreffen.

Was muss ich bei der Ernährung beachten?

Frau Güttner: Grundsätzlich gibt es keine spezielle Stoma-Diät, die Sie von nun an beachten müssen. Generell kann man aber festhalten, dass durchaus wichtig ist, wie Sie essen. Dabei können Ihnen einige einfache Regeln helfen. Am besten ist es, wenn Sie zunächst Nahrungsmittel vorsichtig auf Ihre Verträglichkeit testen. Wenn Sie keinerlei Beschwerden verspüren, können Sie dieses Nahrungsmittel auch weiterhin zu sich nehmen. Um nachts nicht den Beutel leeren zu müssen, sollten Sie abends nicht zu spät essen. Es hilft Ihnen ebenfalls Ihre Nahrungsaufnahme auf insgesamt circa fünf kleine Mahlzeiten verteilen. Des Weiteren sollten Sie nicht vergessen, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Trinken Sie 2 bis 2,5 Liter am Tag.

Was ist eine Stomablockade?

Frau Güttner: Auch wenn zu einer ausgewogenen Ernährung viel Obst und Gemüse gehören, sollten Sie gerade mit besonders faserreichen Lebensmitteln vorsichtig sein.


Fasrige Speisen können schlecht zerkaut zu einer sogenannten Stoma-Blockade führen. Das Stoma verstopft. Aus diesem Grund sollten Sie Ihre Nahrung immer gut kauen und die Verwendung von faserreichen Lebensmitteln auf ein Minimum beschränken. Führen bei Ihnen bereits geringe Mengen zu Problemen, sollten Sie diese Lebensmittel komplett meiden. Zu den besonders faserreichen Nahrungsmitteln zählen unter anderem Ananas, Spargel, Pilze, Rhabarber, Rohkostsalate, rohes Sauerkraut und Zitrusfrüchte.

 

Kann ich mit einem Stoma ins Schwimmbad gehen?

Frau Güttner: Auch als Stomaträger können Sie weiterhin problemlos baden oder schwimmen, denn die Stomaversorgung hält auch diese Belastung aus. Sollten Sie sich unsicher fühlen, versuchen Sie es doch einfach zuerst zu Hause in Ihrer Badewanne.

Kann ich auch mit Stoma Sport treiben?

Frau Güttner: Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass Sie nach einer Stomaanlage auch die gleichen Sportarten wie vorher betreiben.


Jedoch ist es sinnvoll, vor Trainingsbeginn mit dem Arzt die körperliche Fitness und geeignete Sportarten zu besprechen. Generell gilt jedoch, dass Sie Ihre Bauchmuskulatur nicht zu stark beanspruchen sollten. Rudern oder Gewichtheben sind für Sie daher eher ungeeignete Sportarten. Dies könnte zu Komplikationen wie einem Stomabruch führen. Bei einigen Sportarten sollten Sie das Stoma besonders schützen, beispielsweise für Ballsportarten. Hierzu können Sie sich im Fachhandel beraten lassen.

Kann ich mit Stoma verreisen?

Frau Güttner: Mit Stoma können Sie auch weiterhin ohne Probleme verreisen. Sie sollten nur einige Dinge beachten, um die Zeit auch genießen zu können. Sollten Sie mit dem Bus reisen, achten Sie stets darauf, dass eine Toilette vorhanden ist, um jederzeit Ihre Versorgung wechseln zu können. Bei allen Reisen, besonders jedoch bei Flugreisen, sollten Sie immer ausreichend Versorgungsutensilien im Handgepäck vorrätig halten. Bitte beachten Sie auch, dass in einer ungewohnten Umgebung durchaus ein häufigerer Wechsel des Versorgungssystems notwendig werden kann. Zudem sollten Sie gerade in Ländern mit warmem Klima Ihre Produkte stets kühl lagern. Auch kann ein feuchtwarmes Klima die Haftungswirkung Ihrer Versorgung verschlechtern.

Wo bekomme ich Hilfe?

Frau Güttner: Bereits während Ihres Klinikaufenthaltes wird eine Stomatherapeutin oder ein Stomatherapeut mit Ihnen die richtige Versorgung des Stomas und den Umgang mit den entsprechenden Hilfsmitteln üben. Wir bei PubliCare bieten Ihnen als Service auch eine weitere Betreuung bei Ihnen zu Hause. So können Sie uns auch nach der Entlassung jederzeit bei Problemen mit Ihrer Versorgung ansprechen und wir finden gemeinsam eine Lösung.

Chemotherapie

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Eine Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlung, die die bösartigen Zellen zerstören und das Zellwachstum hemmen soll. Sie kommt je nach Stadium und Lage des Tumors zum Einsatz.

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Gewichtsverlust

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Nicht selten verlieren Darmkrebs-Patienten Gewicht. Dagegen kann es helfen, die Ernährung umzustellen, indem die Energie- und Fettzufuhr erhöht wird. Patienten können sich täglich wiegen und darüber Tagebuch führen.

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Hier finden Sie nützliche Adressen und Telefonnummern, zum Beispiel von der Verbraucherzentrale oder der Krebshilfe. Die Ansprechpartner können Ihnen unabhängige Informationen geben und bei Fragen weiterhelfen.

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