Zielgerichtete Therapien
Die medikamentöse Therapie des fortgeschrittenen Darmkrebs (Stadium IV) wird seit einigen Jahren durch den Einsatz sogenannter „zielgerichteter Therapien“ er- gänzt. Im Vergleich zur herkömmlichen Chemotherapie, die insbesondere schnell wachsende Zellen in ihrem Wachstum blockiert, basiert die Entwicklung dieser neuen Wirkstoffe auf einem detaillierten Verständnis der Tumorbiologie.
Bei Darmkrebs konnten zwei Angriffspunkte solcher zielgerichteter Therapien aus- findig gemacht werden: Die so genannte „Angiogenese-Hemmung" (Angiogenese = Gefäßneubildung), bei der die Versorgung des Tumors gestört wird und die „Wa- chstumshemmung“, die direkt das Wachstum der Tumorzellen beeinträchtigt.
Angiogenese-Hemmung
Um wachsen zu können, versorgt sich der Tumor zunächst mit Nährstoffen und Sauerstoff aus der Umgebung. Erreicht er eine Größe von wenigen Millimetern, be- nötigt er eine eigene Blutversorgung, um sein weiteres Wachstum zu sichern. Um dies zu erreichen, setzt er einen „Blutgefäß-Wachstumsfaktor“ frei. Dieser regt Blutgefäße in der direkten Umgebung des Tumors an, neu auszusprossen und den Tumor mit Nährstoffen zu versorgen. Durch den Einsatz von Angiogenese-Hem- mern wird dieser Mechanismus blockiert. Dadurch werden die Signale für das Aus- sprossen von Blutgefäßen unterbunden und die Neubildung kommt zum Erliegen – der Tumor wird sozusagen ausgehungert. Darüber hinaus kommt es zu einer Normalisierung der bestehenden Tumorgefäße, über die die Chemotherapie den Tumor nun besser erreichen und bekämpfen.
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Nebenwirkungen von Angiogenese-Hemmern
Grundsätzlich ist die Behandlung mit Angiogenese-Hemmern gut verträglich. Eine mögliche Nebenwirkung der Therapie ist Nasenbluten, das meistens nach kurzer Zeit von alleine wieder aufhört. Des Weiteren ist auf eine Blutdruckerhöhung zu achten, die medikamentös in aller Regel gut eingestellt werden kann. In selteneren Fällen kann es zu einem Magen-Darm-Durchbruch (GI-Perforation), zu Thrombosen oder Embolien kommen.
Wachstumshemmung
Neben diesen Angiogenese-Hemmern gibt es noch weitere zielgerichtete Wirk- stoffe, die für Behandlung von metastasiertem Darmkrebs zugelassen sind, so genannte Wachstumshemmer. Sie richten sich gegen einen Rezeptor von Wachstumsfaktoren auf Krebszellen und bremsen somit das Tumorwachstum. Diese Substanzen werden meistens in Kombination mit Chemotherapie ein- gesetzt. Im Einzelfall können sie aber auch als alleinige Therapie angewendet werden. Grundsätzlich sind diese jedoch nur für einen Teil der Patienten geeignet: Sie können nur bei Menschen eingesetzt werden, bei denen ein bestimmtes Gen, das KRAS-Gen, nicht verändert ist. Daher muss vor der Wahl dieser Therapeutika ein Gentest am Tumorgewebe durchgeführt werden. Er liefert Aussagen über die Eignung des Patienten für diese Art der Antikörper-Therapie.
Nebenwirkungen von Wachstumshemmern
Als häufige Nebenwirkung dieser Wirkstoffe wird das Auftreten von überwiegend akneartigen Hautreaktionen beobachtet, die als Rash bezeichnet werden. Obwohl dieser Ausschlag von den Patienten häufig als unangenehm empfunden wird, ist er zugleich ein Zeichen für ein gutes Ansprechen auf die Behandlung. Um die Haut- reaktionen zu mildern, hilft die regelmäßige Pflege der Haut mit feuchtigkeits- spendender Lotion. Darüber hinaus ist es wichtig, diese direkt mit kortison- oder antibiotikahaltigen Cremes zu behandeln.