Wie entsteht Darmkrebs?
Darmkrebs entsteht langsam: Es kann Jahre oder sogar Jahrzehnten dauern, bis sich bösartige Tumore im Darm bilden. In circa 95 Prozent der Fälle geschieht das durch Entartung gutartiger Wucherungen der Darmschleimhaut, die Polypen oder Adenome heißen.
Polypen sind pilzähnliche Verwölbungen, die in den Darmraum hineinwachsen. Sie gelten als mögliche Vorläufer von Darmkrebs. Warum sich gutartige Polypen in Krebszellen verwandeln, ist unklar. Einige Risikofaktoren können jedoch die Ent- stehung von Darmkrebs begünstigen.
Familiäres Risiko
Bei ca. 30 Prozent aller Darmkrebsneuerkrankungen liegt ein familiäres Risiko vor. Dabei wird unterschieden zwischen erblichem Darmkrebs und der familiären Häuf- ung von Darmkrebs.
Erblicher Darmkrebs
Wirklich erblich belastet sind ca. fünf Prozent der Betroffenen, d. h. in diesen Fam- ilien werden veränderte Gene an die nächste Generation vererbt. Es gibt heute molekulargenetische Tests, die zeigen können, ob eine vererbte Anlage für Darm- krebs in einer Familie vorliegt. Anhand von Blutproben können Experten so das Risiko einer potenziellen Darmkrebserkrankung einschätzen. Spezielle Zentren für familiären Darmkrebs haben sich auf die Diagnose und Früherkennung von erb- lichem Darmkrebs spezialisiert. Weitere Informationen sind beim Verbundprojekt "Familiärer Darmkrebs" erhältlich.
Lynch-Syndrom (hereditäres nicht-polypöses kolorektales Karzinom, HNPCC)
Etwa vier Prozent aller Darmkrebsfälle sind auf ein HNPCC zurückzuführen. Die vererbten Genveränderungen beim HNPCC betreffen alle Körperzellen, nicht nur die Zellen der Darmschleimhaut. Deshalb haben HNPCC-Patienten nicht nur ein erhöhtes Darmkrebsrisiko, sondern auch ein erhöhtes Risiko für andere Krebs- erkrankungen. Patienten, die den Gendefekt in sich tragen, sollten ab dem 25. Lebensjahr einmal jährlich eine Dickdarmspiegelung und weitere Vorsorge- untersuchungen vornehmen lassen.
FAP (familiäre adenomatöse Polypose)
Die FAP (ca. ein Prozent aller Darmkrebsfälle) ist eine seltene erbliche Erkran- kung, bei der bereits in jugendlichem Alter hunderte bis tausende Polypen im Dick- darm entstehen. Erfolgt keine Behandlung, entwickelt sich aus den Polypen mit 100%-iger Sicherheit einmal Darmkrebs. Das Vorsorgeprogramm für FAP-Pat- ienten ist dementsprechend intensiv und beginnt bereits im Alter von 10 Jahren. Zusätzlich entschließt man sich heute bereits bei jungen Patienten dazu, den ge- samten Dickdarm und einen Teil des Enddarmes zu entfernen.
Familiäre Häufung
Bei rund 20 Prozent der Darmkrebsfälle beobachtet man eine familiäre Häufung von Darmkrebs oder Darmpolypen, d. h. in der Familie sind eine oder mehrere Perso- nen an Darmkrebs erkrankt oder haben schon in jungen Jahren Darmpolypen ent- wickelt. Ein genetischer Zusammenhang lässt sich aber noch nicht wissenschaft- lich nachweisen. Das Risiko ergibt sich allein aus der ermittelten Vorgeschichte der Familie. Mitglieder solcher Familien haben ein erhöhtes Risiko, Darmkrebs zu bekommen, insbesondere, wenn ein erstgradiger Verwandter betroffen ist oder wenn eine Erkrankung bei Angehörigen unter 60 Jahren aufgetreten ist.
Kommt in einer Familie Darmkrebs vermehrt vor, sollten Familienmitglieder (nur direkte Blutsverwandte) die erste Vorsorge-Darmspiegelung in einem Alter durch- führen lassen, das 10 Jahre vor dem Alter liegt, in dem der Angehörige an Darm- krebs erkrankt ist. Ist beispielsweise die Mutter mit 45 Jahren an Darmkrebs erkrankt, sollten ihre Kinder und Geschwister mit 35 Jahren erstmalig eine Darm- spiegelung durchführen lassen. War der Angehörige zum Zeitpunkt der Diagnose älter als 50 Jahre, sollten die Familienmitglieder bereits im Alter von 40 Jahren, spätestens mit 45 Jahren eine erste Vorsorge-Darmspiegelung durchführen lassen. Danach sollte die Darmspiegelung mindestens alle 10 Jahre wiederholt werden.
Die Kosten für eine Vorsorgedarmspiegelung bei familiärem sowie erblichem Darm- krebsrisiko werden von den Krankenkassen übernommen.