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Therapiebeginn

Die Therapie war entschieden. Die Bestrahlungs- und Chemotherapie sollte stationär stattfinden. 24 Stunden Dauerinfusion und täglich eine Bestrahlung des Tumors für die Dauer von sechs Wochen. Wieder musste eine CT gemacht werden, um die Bestrahlungsintensität und die Bestrahlungsregion genau zu bestimmen. Diese Untersuchungen durchlief ich wie im Film. Die Bestrahlungsklinik lag im Untergeschoss der Klinik und nur, wer da hin musste, kam dort auch an. Dorthin verlief sich niemand. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dort nicht hinzugehören. Dieses Gefühl wurde ich während der kommenden sechs Wochen nicht los. Zum ersten Mal traf ich auf andere Patienten, denen die Behandlung und die Krankheit anzusehen war. Das machte mir große Angst. Ich wollte nicht dazugehören!!! Immer wieder stellte ich mir die quälenden Fragen: Ist das der richtige Weg? Sind alle Möglichkeiten der alternativen Therapien ausgeschöpft? Ich fühlte mich für meine Behandlung mitverantwortlich. Ich hatte Angst vor der Bestrahlung. In dieser ausweglosen Situation konnte ich die Krankheit nicht mehr alleine tragen.

Ich wollte die Klinik verlassen

Ich brach die erste Bestrahlung ab und forderte einen Psychologen ein. Ich wollte die Klinik verlassen und nicht zurückkehren. Sofort wurde in der psychatrischen Klinik ein Psychoonkologe angefordert, der mich aus der Strahlenklinik herausholte und sich meiner annahm. Der erste Kontakt mit jemandem, der sich nur für mein emotionales Befinden interessierte, war erleichternd. Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereue. Ich konnte meine Ängste formulieren und bekam Hilfestellung, mit dieser Situation fertig zu werden. Es war jedoch in erster Linie für mich eine Kapitulation. Ich musste mich der Schulmedizin und allen Behandlungen ausliefern und sie annehmen. Nicht ablehnen. Und dieses Annehmen der Behandlung war für mich ein intellektueller Kraftakt. Als die erste Infusion mit Chemotherapeutikum lief, war ich total aufgewühlt und unsicher. Eine gute Freundin unterstützte mich dabei, in die erste Behandlung zu gehen, und erlebte mich als eine unsichere, ängstliche und verletzliche Frau. Emotional und körperlich verletzlich zu sein, ist eine Erfahrung, die ich während der Behandlung und der Zeit danach immer wieder empfand. Mit Unterstützung der Psychoonkologin arbeite ich bis heute daran.

Freunde und Verwandte waren während der langen Behandlung an meiner Seite und ohne diesen funktionierenden Zirkel um mich herum hätte ich das alles nicht so ertragen können. Dafür herzlichen Dank an alle, die mich begleitet haben!