Komplikationen
Wenn ich überlege, welche Rückschläge ich während meiner Erkrankung und der daraus resultierenden Behandlung erlebt habe, fällt mir als Erstes der erlittene Darmverschluss ein.
In einem der vielen Gespräche, die ich zu Beginn meiner Behandlung mit dem zuständigen Onkologen führte, klärte mich dieser über die möglichen Nebenwirkungen der Chemo auf. Noch immer in einem Ausnahmezustand und nicht in der Lage, alles realistisch aufzunehmen und einzuschätzen, fand sich irgendwo in den Unterlagen die Erwähnung der Möglichkeit eines Darmverschlusses infolge der Therapie. Auch eine etwaige Leukämie konnte eine der Folgeerscheinungen dieser Behandlung sein. Wie paradox!
Aber hatte ich eine andere Wahl?
Nach den ersten Chemozyklen und überstandener Operation
folgte die ambulante Verabreichung weiterer Chemozyklen. Noch während der
ersten Gabe, auch eines weiteren anderen Zytostatikums, bemerkte ich eine
Unverträglichkeit auf die Medikamente. Nach acht Stunden stellte sich eine
erhebliche Übelkeit ein, die als normale Reaktion auf das Zytostatikum
interpretiert wurde. Ich bemerkte jedoch, dass sich meine Darmtätigkeit auf
null reduziert hatte und vermutete sofort einen Darmverschluss.
Ich wurde in die Klinik eingewiesen und verblieb zur Beobachtung auf der
onkologischen Station. Vier Tage, die ich mit unerträglichen Schmerzen und
unter Morphium aushalten musste, dauerte es, bis die Diagnose durch einen
hinzugezogenen Chirurgen eindeutig gestellt werden konnte – Darmverschluss
infolge einer Überdosierung des Zytostatikums. Ich wurde zwei Stunden nach
Diagnosestellung operiert. Somit hatte ich die zweite Laparotomie innerhalb von
drei Wochen. Von diesem Rückschlag erholte ich mich nur zögerlich. Die
kommenden Chemozyklen fanden unter stationären Bedingungen und mit reduzierter
Dosis statt. Darüber war ich sehr froh, denn diese schlimme Erfahrung hatte
sich stark in meinem Bewusstsein manifestiert.
Die Erinnerung an die Rückschläge gerät in den Hintergrund
In den kommenden Jahren hatte ich noch zwei Darmverschlüsse, die nicht im Zusammenhang mit der Chemo standen und auch nicht operativ behandelt werden mussten. Mit entkrampfenden Mitteln konnte ich konservativ behandelt werden.
Ich halte seitdem eine Diät ein, von der ich glaube, dass
sie hilft, die Komplikation eines Darmverschlusses zu vermeiden. Heute gelingt
es mir, etwaige Anzeichen, die zu einem Verschluss führen könnten, zu
interpretieren und mich entsprechend zu verhalten. Mit Glaubersalz und
feuchtwarmen Bauchwickeln ist es mir immer wieder gelungen, einen drohenden
Darmverschluss abzuwenden.
Wie anfangs erwähnt, kannte ich seit den aufklärenden Gesprächen mit den
Behandlern etwaige Komplikationen und Nebenwirkungen. Wenn sie dann eintreffen,
bin ich trotzdem geschockt. Je länger die Zeit der Beschwerdefreiheit jedoch
ist, desto mehr rückt die Erinnerung an mögliche Komplikationen in den
Hintergrund. Ein Stück Normalität nach einer solchen Erkrankung ist gewonnen!
Gleichzeitig hat diese Erfahrung dazu geführt, dass ich mich als Krebspatientin
ernst nehme und für meine Belange einstehe. Diesen Anspruch habe ich auch an
meine Behandler.