Diagnose Darmkrebs
Im August 2003 wurde bei mir ein bösartiger Darmtumor festgestellt. Diese Diagnose veränderte mein Leben und das meiner jungen Familie. 14 Monate nach der Entbindung meiner kleinen Tochter bemerkte ich minimale Blutbeimengungen beim Toilettengang. Die wichtige Rückbildungsgymnastik nach einer Spontanentbindung hatte ich ein wenig vernachlässigt und interpretierte das veränderte Stuhlverhalten dahingehend. Vier Wochen später hatte ich einen derart großen Blutverlust, dass ich noch am selben Tag in der Notaufnahme vorstellig wurde. Ein mir persönlich bekannter Arzt untersuchte mich und stellte sofort fest, dass es sich nicht um eine harmlose Analblutung handelte. Er gab diese Information noch nicht an mich weiter, sondern entnahm eine Gewebeprobe und vermittelte mir, dies sei eine Routineuntersuchung. Drei Tage wähnte ich mich in der Annahme, dass es sich um eine leichte hämorrhoidale Blutung handelt, und hatte nicht die geringste Befürchtung, dass sich diese Diagnose herausstellen könnte. Zumal in meiner Familie eine Tumorerkrankung bisher nicht vorgekommen war.
Zu diesem Zeitpunkt lag bereits das histologische Ergebnis vor. Der behandelnde Arzt bat mich drei Tage später nicht, wie erwartet, ins Untersuchungszimmer, sondern ins Büro. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass etwas anders sein könnte.
Ich hoffte auf eine Verwechslung
Wenige Minuten später hob sich mein Leben aus den Angeln. Aufgrund meiner Tätigkeit im Medizincontrolling konnte ich die histologische Untersuchung der Probeentnahme interpretieren, ohne dass der behandelnde Arzt sie erläutern musste. Winzige Sekunden hoffte ich auf eine Verwechslung der Daten oder dass dies ein Albtraum sei. Jedoch hatte ich schwarz auf weiß, dass ich an einem bösartigen Tumor erkrankt war. Meine erste Reaktion war Todesangst! Ich hatte jahrelang in der Klinik gearbeitet und wusste, was mir bevorstand.
Dieses Wissen machte es mir noch schwerer und gleichzeitig eröffnete es mir Chancen. Ich würde meine kleine Tochter nicht aufwachsen sehen! Nicht sehen, wie sie mit Haaren aussieht…. Diese Vorstellung ist auch im Nachhinein für mich die schmerzlichste und bedrohlichste. Meinem Kind nicht mehr die Mutter sein zu können. Für mich war diese Diagnose gleichbedeutend mit Leiden, Schmerzen und Tod. Ich war gezwungen, meine kleine Tochter noch am selben Tag abzustillen. Daran möchte ich nicht mehr denken. Am nächsten Tag fanden weitere Untersuchungen statt und ich funktionierte als Patient in einer medizinischen Maschinerie. Mit starken Beruhigungsmitteln ließ ich unangenehme Untersuchungen über mich ergehen. Ich erholte mich von diesem Ausnahmezustand lange nicht und durchlebte die folgenden Tage wie im Nebel.
Der Schock dieser Diagnose sitzt auch heute noch sehr tief. Selbst beim Schreiben dieser Zeilen kommen immer wieder Emotionen hoch, die mich sofort wieder in diese Zeit versetzen. Selbst jede Kontrolluntersuchung kann diese Angst und Bedrohung wieder real werden lassen. Diese Todesangst ist bis heute nicht weg; vielleicht ein bisschen verblasst, aber immer wieder da.