Weitere Therapien
Die Chemotherapie
Schon
im Krankenhaus wurde mir gesagt, dass neben dem Darmtumor auch eine Metastase in der Leber entfernt wurde.
Wie üblich wurden einige Lymphknoten entfernt und im Labor genauer untersucht.
Leider waren hier auch einige wenige dabei, die nicht „ganz sauber“ waren.
So wurde mir zu einer „quasi adjuvanten“ Chemotherapie
geraten. Da habe ich doch erstmal geschluckt. Ich hatte mir so schön
gedacht: „Da gehst du ins Krankenhaus, lässt alles raus schneiden und gut ist
es.“
Also
wieder eine neue Entscheidung treffen. Und natürlich die Angst vor der Chemo. Man hat ja schon so einiges gehört …
Die Chemo muss in einem bestimmten Zeitfenster zur OP begonnen werden. Also
viel Zeit zum Überlegen blieb mir eigentlich nicht. Da ja bereits eine
Metastase in der Leber war, dachte ich mir, den Rest an Krebszellen holen wir
uns jetzt mit der Chemo!!! Ich ging also mit meinem Partner zum Chefarzt der
Onkologie, um mir den weiteren Ablauf erklären zu lassen.
Es waren zwölf Zyklen geplant, die sich über ein halbes Jahr verteilen sollten.
Für die Infusionen musste ein Port gesetzt werden, da die Venen die aggressiven
Medikamente bei einem immer wieder neu gelegten Zugang nicht so gut verkraften.
Ein Port musste gelegt werden
Also
bekam ich einen Termin für die OP des Ports. Er wurde rechts unterm
Schlüsselbein implantiert und man muss einiges beachten, damit er bleibt, wo er
hingehört. Bestimmte Bewegungen sollte man vermeiden. Das wurde mir jedoch
alles vom Arzt erklärt. Die OP wurde unter örtlicher Betäubung durchgeführt,
was ich heute, hätte ich die Wahl, nicht mehr machen würde. Da ich wohl sehr
dünne Venen habe, hatten die Ärzte Probleme, den Port richtig zu positionieren.
Das hab ich dann natürlich alles mitbekommen und mir wäre es lieber gewesen,
wenn ich eine Vollnarkose bekommen hätte! Als es dann endlich vorbei war,
durfte ich wieder nach Hause fahren. Ohne Schmerztabletten, weil der Arzt
sagte: „Wenn Sie sich in den Finger schneiden, nehmen Sie ja auch nicht gleich
Tabletten.“
Ich muss sagen: Es war nicht so, als hätte ich mir in den Finger geschnitten!!
Es tat, als die Betäubung nachgelassen hatte, höllisch weh. Am nächsten Tag
sind wir sogar ins Krankenhaus gefahren, weil wir nicht sicher waren, ob das so
in Ordnung ist. In der Notaufnahme war man dann doch etwas erstaunt, dass ich
keine Schmerzmittel bekommen hatte und nach ein paar Tagen waren die Schmerzen
dann auch wieder weg. Für mich persönlich war die OP für den Port fast genauso
schlimm wie die Darm-OP. Da darf ich gar nicht mehr dran denken.
Die Chemotherapie konnte beginnen
Die Klinik, in der mein Tumor wegoperiert wurde, hat eine eigene Onkologie und daher habe ich die Chemotherapie natürlich auch dort durchführen lassen. Vor der ersten Sitzung war ich mit meinem Partner und meiner Schwester in einem Perückengeschäft und habe mich beraten lassen. Wir haben auch etwas Passendes gefunden. Die Dame war so nett und hat sie mir zurückgelegt, da ich nicht sicher war, ob ich sie überhaupt brauchte.
Dann ging es los. Meistens hat mein Vater mich gefahren. Er hat sich dann ein Buch mitgenommen und die Zeit totgeschlagen. Ich sollte ja kein Auto fahren, weil man nie weiß, wie man die Medikamente verträgt. Vor jeder Chemo steht die Blutanalyse. Das Ergebnis bekommt man so nach 20 Minuten und dann wird entschieden, ob die Chemo durchgeführt werden kann. Das erste Mal war das noch kein Problem. Also geht man in einen Raum, wo bereits andere „Leidensgenossen“ in unterschiedlichen Zuständen auf den „berühmten Stühlen“ sitzen. Die Therapie dauert eine Zeit, daher soll man es auch etwas bequem haben.
Ich
hatte eine Therapie, bei der ich nach der Infusion eine Pumpe angehängt bekam.
Die hat sich dann in den nächsten 36 Stunden geleert und wurde dann im
Krankenhaus wieder abgenommen.
Dieses halbe Jahr war nicht schön, obwohl ich sagen muss, dass ich die Therapie
wirklich gut vertragen habe. Meine Haare, Wimpern und Augenbrauen sind nur
dünner geworden, ich habe also keine Perücke gebraucht. Was mich mehr belastet
hat, war, dass der Port nicht ordentlich funktioniert hat. Bei der Infusion
musste ich den Arm immer in einer ganz bestimmten Stellung halten, damit die
Flüssigkeit gelaufen ist. Dafür haben die Schwestern die abenteuerlichsten
Konstruktionen ausprobiert. Das große Bangen war dann eben nur: Schafft es auch
die Pumpe? Schließlich konnte ich im Alltag nicht immer nur in einer Position
verharren und schon gar nicht in der Nacht. Also immer wieder kontrollieren, ob
die Flüssigkeit weniger wird …
Und nach einiger Zeit fing es dann auch an mit dem Taubheitsgefühl in den
Händen und den Füßen. Das ging dann auch gar nicht mehr weg. Eine starke
Kälteempfindlichkeit kam ebenfalls dazu. Ich konnte nicht mal Salat waschen,
weil der Kontakt mit dem kalten Wasser sehr weh getan hat.
Bangen vor jeder Chemo
Dann
das Bangen vor jeder Chemo, ob man sie überhaupt bekommt. Einige Male sehr
knapp, aber ich hatte ein paar homöopathische Mittel, die mir hier sehr
geholfen haben. Ich wollte ja auf keinen Fall unterbrechen! Das würde das ganze
nur unnötig in die Länge ziehen. Von den Ärzten konnte ich hierbei jedoch
keinen Rat erwarten, ich sollte Vitamine nehmen. Ansonsten halten die
Schulmediziner im Allgemeinen nicht so viel von alternativer Medizin. Ich habe
mich im Internet schlaugemacht und für mich etwas gefunden, das meinen Körper
aufbaut und unterstützt. Habe aber natürlich die Ärzte informiert, was ich da zusätzlich
einnehme. Es gibt nämlich durchaus auch alternative Heilmittel, die gegen die
Chemo arbeiten und das ist ja nicht der Sinn der Sache.
In den Pausen ging es mir eigentlich ganz gut. Übelkeit, Appetitlosigkeit und
Schlappheit sind normal und waren zu ertragen. Ich glaube, der liebe Gott hat
es gut mit mir gemeint und ich hatte großes Glück, dass ich das alles so gut
weggesteckt habe.
Jedenfalls haben wir nach der letzten Chemo ordentlich gefeiert.