Diagnose Darmkrebs
Vor sechs Jahren, da war ich kurz vor meinem 36. Geburtstag, ging es mir nicht so gut. Meine Leistungsfähigkeit beim Sport ließ merklich nach und mein Puls war bereits bei 120 im Ruhezustand. Nach einiger Zeit dachte ich mir, es wäre vielleicht doch nicht so verkehrt, mal einen Arzt aufzusuchen.
Da bereits eine Schilddrüsenüberfunktion diagnostiziert wurde, wurde erstmal Blut abgenommen, um die Schilddrüsenwerte zu überprüfen. Daraufhin wurde die Medikamentendosis erhöht. Das Blutbild wies aber auch eine Anämie aus, unabhängig davon gab mir mein Hausarzt Teststreifen zur Stuhluntersuchung mit. Diese habe ich dann auch brav abgegeben und es war alles wunderbar. Keine Anzeichen auf Blut im Stuhl. Ich dachte und mein Arzt übrigens auch, dann kann es ja nichts Schlimmes sein.
Ich bekam ein Eisenpräparat, das ich dann auch eine ganze Zeit lang eingenommen habe. Wirklich fitter wurde ich aber nicht.
Ich war geschockt
Nach ca. drei Monaten hatte ich ziemlichen Durchfall. Eines schönen Tages, wir waren gerade dabei, über Internet unseren Ski-Urlaub zu buchen, ging ich zur Toilette und konnte meinen Augen nicht trauen. Soviel Blut hatte ich noch nie gesehen. Natürlich war ich geschockt. Montags bin ich dann gleich zum Arzt, hab ihm das erzählt und bekam dann wieder die Teststreifen mit. Ich gab bereits am nächsten Tag einen ab und er hat es sich noch in der Praxis angesehen.
„Die muss ich gar nicht einschicken, das ist ja Blut pur“,
war der Kommentar. Darauf wurde sofort ein Termin zur Darmspiegelung beim Internisten vereinbart. Diese wurde dann in der
nächsten Woche durchgeführt.
Ich war im Dämmerschlaf, habe aber schon mitbekommen, dass Proben entnommen
wurden und dass der Internist mit seinen Geräten nicht weiter durch den Darm
kam. Hat mich nicht gerade beruhigt … Beim Anschlussgespräch hieß es dann
natürlich: Erst mal die Ergebnisse abwarten …
Leere, Trauer, Angst
Bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt. Und so wartete ich fast zwei Wochen auf das Ergebnis. Ich sagte mir, was auch die Ärzte gesagt haben: Du bist noch zu jung, du hast gesund gelebt und dich gesund ernährt, du hast immer Sport gemacht, also kannst du gar keinen Krebs haben. Den bekommen doch nur Leute, die alt sind oder nicht auf ihren Körper aufpassen! Dann hat mich mein Hausarzt auf der Arbeit angerufen und hat mir am Telefon eröffnet, dass die Diagnose eindeutig ist: Darmkrebs, und zwar schon weiter fortgeschritten. Es muss so schnell wie nur möglich operiert werden.
Wie oder was fühlt man da? Leere, Trauer, Angst, alles auf einmal und irgendwie einfach nichts. Ich konnte jedenfalls nicht mehr weiterarbeiten. Mein Lebenspartner hat mich dann abgeholt. Ich habe zu meiner damaligen Chefin ein sehr gutes Verhältnis und sie wollte mich nicht mehr Auto fahren lassen. War vielleicht auch ganz gut so. Man kann es schwer glauben, wenn es einen trifft. Tausend Fragen gingen mir durch den Kopf, natürlich auch, wie lange ich wohl noch zu leben habe. Und trotzdem ist es seltsam. Ich kam mir gar nicht so vor, als ginge es hier um mich. Ich konnte es einfach nicht realisieren und glauben. Die Nachricht musste erstmal sacken.
Ja, so war das bei mir – mein ganz persönlicher Diagnoseschock. Bei jedem sicher individuell und doch ist man nicht alleine.